Vorsorgelüge

Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 7/2017 vom 5.9.2017
Rentendebatte absurd

Im Wahlkampf spielt der Absturz der gesetzlichen Rente so gut wie keine Rolle.
Auch im Kanzlerduell ging es nur um die Frage:
Bleibt es bei der Rente mit 67 oder sollen wir alle noch länger arbeiten?
Fakt ist: Das tatsächliche Renteneintrittsalter liegt gerade mal bei 64 Jahren.
Länger können, wollen oder dürfen die Arbeitnehmer derzeit nicht arbeiten.
Ein höheres Renteneintrittsalter ist deshalb nichts anderes als ein Rentenkürzungsprogramm. Was wir brauchen, ist jedoch das genaue Gegenteil:
Höhere Renten für alle.
Wir haben für unser neues Buch ermittelt, wie hoch der Rentenwert steigen müsste, um die zahlreichen Kürzungen der vergangenen 25 Jahre auszugleichen: von rund 31 Euro auf 42 Euro.
Damit bekäme der Standardrentner nach 45 Jahren Durchschnittsverdienst nicht mehr brutto 1.396 Euro wie aktuell sondern 1.890 Euro. Zu viel?  Wohl kaum, nach einem langen Arbeitsleben.
Und das ist durchaus auch finanzierbar, wie uns andere europäische Länder vormachen.
In Ländern wie Dänemark oder Luxemburg liegt bereits die Mindestrente auf einem vergleichbaren Niveau.
Doch hierzulande fordert keine einzige Partei im Wahlkampf eine solch deutliche Anhebung. Noch nicht einmal die LINKE. Der Dauerbeschuss der neoliberalen Kampftruppen mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) an der Spitze hat offenbar deutliche Spuren hinterlassen. Bessere Renten, das ist angeblich ein Verstoß gegen die Generationengerechtigkeit, bedeutet angeblich eine Ausbeutung der jungen Generation.
Das genaue Gegenteil ist der Fall: Während die gegenwärtige Rentenpolitik eine ganze Rentnergeneration in die Armut schickt, zwingt sie die Jungen zu aberwitzigen Vorsorgeleistungen für Riester-Renten, Betriebsrenten etc., die unterm Strich sehr viel teurer sind als eine auskömmliche gesetzliche Rente. Die aktuelle Rentenpolitik schröpft also gerade die Jungen. Und im Alter bekommen auch sie nur Hungerrenten. Es geht auch anders. Siehe oben.

 

Holger Balodis und Dagmar Hühne: Die große Rentenlüge – Warum eine gute und bezahlbare Altersicherung für alle möglich ist, Westend Verlag, 208 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-864889-177-9)

Holger Balodis
Dagmar Hühne
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