Überquellende Rücklagen

Die rund 21 Millionen Rentner können im Sommer mit einem deutlichen Plus ihrer Bezüge von gut drei Prozent rechnen.

Was von vielen Rentenbeziehern begrüßt werden dürfte, sorgt allerdings auch für Kritik.
“Statt heute die Beiträge zu senken, sollte die Regierung an morgen denken und angemessene Rücklagen bilden”,
sagte etwa das IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban.

Es ist immer wieder erstaunlich, ja erschreckend, wie wenig Ahnung “selbsternannte Experten” von der Materie haben!

Selbt “der Laie” kann sich dank Internet jederzeit informieren und findet bei der Erklärung der so genannten Nachaltigkeitsrücklage, welche die Gesetzliche Rentenversicherung, DRV, laut Gesetz vorhalten muss:

Die Nachhaltigkeitsrücklage beeinflusst die Höhe des Beitragssatzes der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Beiträge zur Rentenversicherung sind so zu berechnen, dass ihre Mittel im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben liegt. Die Mindestrücklage beträgt das 0,2-fache der monatlichen Ausgaben. Die Höchstrücklage dagegen darf das 1,5-fache der monatlichen Aufwendungen nicht überschreiten. Die Nachhaltigkeitsrücklage soll kurzfristige Ausgabenüberschüsse durch Schwankungen am Arbeitsmarkt auffangen und die Mittel zur Erfüllung der Rentenansprüche sichern.

Damit wird klar, die Rentenversicherung darf überhaupt keine Rücklagen, die das 1,5-fache der monatlichen Aufwendungen überschreiten, bilden! Nach dem Umlageprinzip muss das was reinkommt auch wieder rausgehen! Wenn mehr eingenommen werden kann, muß entweder die Rente erhöht werden oder der Beitragssatz sinken!

Außerdem ist hierzulande auch überhaupt nicht gut, wenn Rücklagen oder Fonds in einer gesetzlichen “Versicherung” gebildet werden. Eine Anhäufung von Beiträgen in den Zwangsversicherungen wir Renten- und Krankenkassen überstehen nie die Zeit für die sie angeblich vorsorglich angelegt wurden. Wie wir beim überquellenden Gesundheitsfond wieder deutlich gesehen haben kommt immer eine Begehrlichkeit auf, die Mittel zweckzuentfremden! (kostenlose Gesundheitskarte für die “Flüchtlinge”)

Über die Beitragsentwicklung sagte Urban: “Die Reduzierung des Beitragssatzes um 0,1 Prozentpunkte bringt für einen Durchschnittsverdiener eine Entlastung von knapp 1,60 Euro im Monat.” Er warnte davor, dass die Beschäftigen die Senkung spätestens ab 2023 bitter bezahlen müssten. Wegen des Übertritts immer mehr geburtenstarker Jahrgänge in die Rente steige dann der Beitragssatz über viele Jahre. Gleichzeitig werde das Rentenniveau kontinuierlich sinken, mahnte Urban.

Erstaunlich allerdings ist die Erkenntnis des Gewerkschaftlers, dass es nötig sei, die Rentenversicherung zur Erwerbstätigenversicherung zu entwickeln, in die auch Selbstständige, Beamte und Parlamentarier einzahlen.