Feinstaub vs. Alkohol

430.000 Europäer sterben jährlich an Feinstaub

Veröffentlicht am 04.03.2015

Ein Bericht der Europäischen Umweltagentur liefert alarmierende Ergebnisse: Allein in Europa sind demnach jährlich Hunderttausende frühzeitige Todesfälle auf Feinstaub und Lärm zurückzuführen.

Feinstaub in der Luft ist nach einem Bericht der Europäischen Umweltagentur pro Jahr für etwa 430.000 vorzeitige Todesfälle in der EU verantwortlich. Zum Vergleich: Laut Umweltbundesamt gibt es jährlich allein in Deutschland etwa 47.000 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub.

Lärm sei bei mindestens 10.000 Europäern, die vorzeitig an Herzerkrankungen und Herzinfarkten sterben, Ursache des vorzeitigen Ablebens. Ozon sorge zudem für 16.000 vorzeitige Todesfälle in Europa pro Jahr.

Laut Umweltagentur sorgen schmutzige Luft und Lärm nach wie vor für „ernsthafte Gesundheitsprobleme, insbesondere in städtischen Gebieten“. Der steigende Einsatz von Chemikalien in vielen Produkten führe zudem zu mehr Hormonstörungen, heißt es in dem in Brüssel veröffentlichten Bericht.

Trotz Maßnahmen wie Fahrverboten oder Auflagen für die Industrie sieht die Umweltagentur keinen Anlass für Entwarnung: Der Klimawandel werde das Gesundheitsproblem noch verschärfen. Der Bericht fordert von der Politik wirkungsvollere Maßnahmen und Investitionen, ohne konkrete Schritte zu nennen.

Die Zahlen zum Feinstaub stammen aus dem Jahr 2011. „Sie sind seitdem aber auf ähnlichem Niveau geblieben“, sagte ein Sprecher der Umweltagentur. Feinstaub wird in erster Linie durch den Menschen erzeugt, etwa durch den Betrieb von Öfen oder Motoren, aber auch in der Landwirtschaft und der Industrie.

Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge treten bei einer hohen Konzentration von Feinstaub verstärkt Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen auf – wie zum Beispiel Lungenkrebs. Denn kleinste Teilchen können beim Einatmen bis in die Lungenbläschen und den Blutkreislauf gelangen und sich so im ganzen Körper verteilen.

Der Chef der Europäischen Umweltagentur Hans Bruyninckx sagte, die weltweiten Umweltbelastungen hätten seit den 90er-Jahren in nie dagewesener Geschwindigkeit zugenommen, angetrieben nicht zuletzt durch das Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum sowie ein sich veränderndes Konsumverhalten.

EU-Umweltkommissar Karmenu Vella forderte bei der Vorstellung des Fünfjahresberichts mehr Investitionen in saubere Technik. Umwelt- und Wirtschaftsüberlegungen müssten besser aufeinander abgestimmt werden.

„Unsere Zukunft in Europa hängt ab von innovativen Lösungen“, so Vella. Eine kohlenstoffarme Gesellschaft, eine umweltfreundliche Kreislaufwirtschaft und widerstandsfähige Ökosysteme seien die Grundlage für das Wohlergehen der Bürger.

Weltweit sieben Millionen frühzeitige Todesfälle jährlich

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Luftverschmutzung weltweit das größte auf Umweltfaktoren basierende Gesundheitsrisiko und verursacht Schlaganfälle, Herzerkrankungen und chronische Lungenkrankheiten. Die WHO beziffert die Zahl der Toten infolge von schmutziger Luft auf weltweit sieben Millionen Menschen jährlich.

Europa wird nach Ansicht der Umweltagentur seine langfristigen Ziele bei der Senkung der Treibhausgasemissionen nicht erreichen. Fortschritte sieht der Bericht hingegen beim Ressourcenverbrauch, der seit 2007 um rund 19 Prozent gesunken sei. Es werde weniger Müll erzeugt, zudem investierten alle Länder in die Wiederverwertung.

Positiv hervorzuheben sei zudem, dass die europäischen Treibhausgasemissionen seit 1990 um 19 Prozent reduziert werden konnten. „Der Mehrwert der Ökoindustrie ist trotz Wirtschaftskrise gewachsen“, so Vella. Damit die grüne Wirtschaft funktioniert, müssen nach Angaben des EU-Kommissars jährlich rund 270 Millionen Euro investiert werden.

„Europa steht unabhängig von den Fortschritten immer noch vor großen Herausforderungen“, sagte Bruyninckx. Der Bericht soll als Grundlage für die EU-Umweltpolitik bis zum Jahr 2020 dienen.

Der Untersuchung zufolge wird die EU zudem ihr bis 2020 gestecktes Ziel verpassen, das Artensterben zu stoppen. „Die biologische Vielfalt nimmt immer weiter ab“, heißt es darin, Europa sei nicht auf Kurs. Besonders gefährdet seien Arten in den Meeren und Küstenregionen.

Eigentlich wollte die EU das Ziel zum Schutz der Artenvielfalt schon 2010 erreichen, es wurde aber verschoben. EU-Umweltkommissar Karmenu Vella kündigte an, bis Jahresende Vorschläge für den Erhalt der biologischen Vielfalt vorzulegen.
Nach Angaben der Umweltschutzorganisation WWF gehören zu den bedrohten Arten in Europa der Iberische Luchs, diverse Amphibien wie die Rotbauchunke, aber auch Gänsegeier und Kegelrobbe.

Vor allem auf den Äckern litten Vögel unter der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung. Laut der Roten Liste seien in Europa derzeit 45 Prozent aller Agrarvogelarten im Bestand gefährdet, darunter Rebhuhn und der Singvogel Ortolan.

 

Als Gründe für das Artensterben gelten Agrarmonokulturen, die Naturzerstörung für Gewerbegebiete oder Straßen, das Abholzen von Wäldern, Überdüngung und Überfischung.

Der Umweltbericht der Europäischen Umweltagentur gilt als die Referenz für europäische Umweltpolitik. Die Agentur legt einen solchen Bericht alle fünf Jahre vor und beurteilt darin, ob die EU mit ihrer Umweltpolitik ihre bis 2050 gesteckten Ziele des Programms „Living well, within the limits of our planet“ erreichen kann.

 

 

 

Wir wollen den Säbelzahntiger wieder haben!

 

 

Und wie sieht die Bilanz

beim Alkohol aus?

 

Alle zehn Sekunden stirbt ein Mensch durch Alkohol

Quelle: ZEIT ONLINE, afp, dpa

12. Mai 2014

3,3 Millionen Menschen starben 2012 weltweit an den Folgen von Wein-, Bier- und Schnapskonsum. In Europa und Deutschland ist Alkohol eines der größten Gesundheitsrisiken.

Von Sven Stockrahm

http://www.zeit.de/feature/global-drug-survey-2015-drogen-in-deutschland

 

Neben den Trinkgewohnheiten weltweit hat die WHO auch Gesetze und politische Maßnahmen berücksichtigt. So belegen Länder wie Deutschland Alkohol längst mit Steuern, es gelten Altersbeschränkungen sowie Regeln für die Werbung. Das dies bislang wenig ausrichtet, ist offenkundig.

Dazu äußerte sich gerade der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in einem Interview mit ZEIT ONLINE. “Jeder Jugendliche (in Deutschland) kann sich rund um die Uhr für kleines Taschengeld eine tödliche Dosis Alkohol kaufen”, sagte Raphael Gaßmann. Gesundheitspolitiker würden ständig darüber klagen, wie schlimm und ungebremst etwa das Komasaufen unter Jugendlichen sei. “Doch die Verhältnisse bleiben unangetastet.” Gaßmann fordert daher seit Jahren etwa ein striktes Werbeverbot für Alkohol.

 

Alkohol und soziale Kosten

  • Die gesamten sozialen Kosten des Alkoholkonsums werden für das Jahr 2003 auf 125 Mrd. € geschätzt. Das entspricht 650,- € pro Haushalt/Jahr und entspricht damit in etwa den Schätzungen für die Kosten von Tabakkonsum.
  • Alkohol verursacht in vielen Bereichen des Lebens Kosten: am Arbeitsplatz (59 Mrd. einschließlich der Kosten für vorzeitigen Tod), Gesundheitsversorgung und Behandlung (22 Mrd. €), Kriminalität (33 Mrd. €) und Schäden durch Verkehrsunfälle (10 Mrd. €).
  • Wenn man über diese materiellen Verluste hinaus auch alkoholbezogenen Schmerzen und Leiden und auch dem Leben an sich einen Wert beimisst, so gelangt man zu wesentlich höheren Zahlen, 150 — 700 Mrd. € im Jahr, abhängig davon, wie hoch das Leben bewertet wird. Deutschland
  • Die Kosten alkoholbezogener Krankheiten (ohne Kriminalität und intangible Kosten) werden pro Jahr auf ca. 20,6 Mrd. € geschätzt. [Jahrbuch Sucht 06, Hrsg.: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Neuland Geesthacht, 2006]

http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Bridging_the_gap/Faktensammlung_Alkohol_in_Europa_deutsch.pdf