Finnland

 

Rentensystem im Jahr 2012 nach OECD

Es gibt eine staatliche Grundrente (Volksrente und garantierte Mindestrente), deren Höhe vom sonstigen Renteneinkommen abhängig ist und eine Reihe gesetzlicher verdienstabhängiger Rentenprogramme, die für die einzelnen Gruppen sehr ähnliche Regeln vorsehen. Manche der Rentenversicherungen für Arbeitnehmer des privaten Sektors funktionieren z.T. nach dem Kapitaldeckungsverfahren, während die Systeme für den öffentlichen Sektor nach dem Umlageverfahren finanziert werden (mit Stabilisierungsfonds, um künftige Erhöhungen der Rentenbeiträge abzumildern). Die Kapitaldeckung hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf das Leistungsniveau.

 

Anspruchskriterien

Die Volksrente unterliegt einer Wohnsitzprüfung – es müssen jedoch keine Voraussetzungen in Bezug auf effektive Beitragszahlungen erfüllt werden – und sie wird entzogen, wenn die verdienstabhängige Rente ein bestimmtes Niveau überschreitet.

Die Volksrente wird ab dem Alter von 65 Jahren ausgezahlt. Anspruch auf eine volle Volksrente haben Personen, die 40 Jahre lang ihren gewöhnlichen Aufenthalt als Erwachsene in Finnland hatten, bei kürzeren Wohnsitzzeiten werden proportionale Anpassungen vorgenommen. Eine frühere Inanspruchnahme der Volksrente ist im Alter zwischen 62 und 65 Jahren möglich. Das Mindestalter für die Inanspruchnahme der Frührente beträgt für die Jahrgänge 1952 und jünger 63 Jahre. Es gibt keine Wartezeiten oder monetäre Grenzen für den Erwerb von Rentenansprüchen im System der verdienstabhängigen Leistungen, obgleich die Rentenversicherungspflicht erst ab einem bestimmten Mindestverdienstniveau besteht. Rentenansprüche werden durch jeden vom Versicherten verdienten Euro begründet, und zwar ab dem Alter von 18 Jahren bis zum Alter von 68 Jahren.

Die Altersrente wird ab dem Alter von 63 Jahren ausgezahlt. Für Personen, die vor 1952 geboren wurden, ist eine Frühverrentung ab dem Alter von 62 Jahren möglich.

 

Rentenberechnung

Verdienstabhängige Rente Von den verschiedenen verdienstabhängigen Rentensystemen wird hier das Programm für Arbeitnehmer des privaten Sektors (TyEL) berücksichtigt. Diesem System gehören über 50% der Beschäftigten in Finnland an. Die Regeln anderer verdienstabhängiger Rentensysteme ähneln denjenigen des TyEL.

Seit 2005 beträgt der Steigerungssatz 1,5% des anrechnungsfähigen Einkommens im Alter von 18-52 Jahren, 1,9% zwischen 53 und 62 Jahren und 4,5% zwischen 63 und 67 Jahren. Der anrechnungsfähige Verdienst basiert seit 2005 auf dem Durchschnittsverdienst der gesamten Erwerbslaufbahn. Da jedoch je nach Altersgruppe unterschiedliche Steigerungssätze angewandt werden (siehe oben), hat der Verdienst älterer Arbeitskräfte an der Gesamtrente größeres Gewicht. Bei der Berechnung des anrechnungsfähigen Verdiensts wird der Betrag, der dem Rentenversicherungsbeitrag des Arbeitnehmers entspricht, vom Verdienst abgezogen. 2012 beliefen sich die Rentenversicherungsbeiträge von Arbeitnehmern unter 53 Jahren auf 5,15% und von Arbeitnehmern ab 53 Jahren auf 6,5%. Die Ersatzquoten sind allerdings nicht im Verhältnis zu dieser Messgröße des anrechnungsfähigen Verdiensts, sondern zum gesamten Bruttoverdienst ausgewiesen (damit sie mit denen anderer Länder vergleichbar sind). Die Verdienste aus früheren Jahren werden anhand einer kombinierten, an den gesamtwirtschaftlichen Arbeitsentgelten und den Preisen orientierten Messgröße aufgewertet.

Seit 2005 ist das Lohnwachstum dabei mit 80% und die Preisentwicklung mit 20% gewichtet. Bei Zugrundelegung der Basishypothesen für die Preis- und Lohnentwicklung verringert sich das Rentenniveau auf Grund dieser Regelung auf 91,5% des Niveaus, das bei einer voll an der Lohnentwicklung orientierten Wertanpassung des Verdiensts früherer Jahre erreicht würde. Nach Renteneintritt wird die verdienstabhängige Rente anhand einer Formel angepasst, die das Lohnwachstum zu 20% und die Preisentwicklung zu 80% berücksichtigt.

Seit 2010 werden neue verdienstabhängige Renten entsprechend dem ab 2009 festgestellten Anstieg der Lebenserwartung gekürzt. (Die Berechnungen basieren jeweils auf älteren Sterbedaten: Für 2012 wird z.B. der Durchschnitt für 2006-2010 im Vergleich zum Basisjahr verwendet, für das wiederum Daten aus dem Zeitraum 2003-2007 herangezogen werden.) Für den Zeitraum 2012-2050 implizieren die Sterblichkeitsprojektionen von Statistics Finland einen Anstieg der Lebenserwartung im Alter von 63 Jahren von 21,6 auf 26,8 Jahre (berechnet auf der Basis geschlechtsneutraler Sterberaten). Die Anpassung erfolgt in Form einer Rentenberechnung mit einem Abzinsungssatz von 2% pro Jahr. Die auf der Grundlage der Sterblichkeitsprojektionen für 2050 zu erwartende Anpassung dürfte die Leistungen auf 81,7% ihres Werts vor der Reform verringern. Der Lebenserwartungskoeffizient wird für jede Kohorte im Alter von 62 Jahren berechnet.

Es gibt keinen Mindestbeitrag und keine Bemessungsgrenze für die Beiträge bzw. die anrechnungsfähigen Verdienste, was wiederum bedeutet, dass auch die Höhe der Rentenleistungen nicht begrenzt ist.

Versicherungspflicht besteht jedoch erst ab einem bestimmten Mindestverdienst. Auf Verdienste unterhalb dieser Grenze können aber freiwillige Beiträge entrichtet werden. Die Zentralanstalt für Rentenschutz koordiniert die Rentenversicherungen, so dass selbst Personen, die Mitglieder verschiedener verdienstabhängiger Rentenversicherungen waren, ihre Rentenleistungen aus einer einzigen Quelle erhalten.

 

Sozialrente (Volksrente und garantierte Mindestrente)

Die volle monatliche Grundrente für Alleinstehende betrug 2012 608,63 Euro (rund ein Fünftel des Durchschnittsverdiensts).

Die Volksrente wird um 50% der Differenz zwischen sonstigem Renteneinkommen und einem geringen Freibetrag gemindert, der sich 2012 auf 644,40 Euro pro Jahr belief. Wenn das sonstige Renteneinkommen aus finnischen oder ausländischen Quellen 1 257,96 Euro bzw. 1 120,46 Euro pro Monat überschreitet, wird keine Volksrente gezahlt.

2011 wurde die garantierte Mindestrente eingeführt.

Diese Rente garantiert finnischen Rentnern ein Mindestrenteneinkommen von 713,73 Euro pro Monat, wenn die Volksrente und die verdienstabhängige Rente zusammen unter diesem Niveau liegen. Seit 2005 bleiben die nach Vollendung des 63. Lebensjahrs erworbenen verdienstabhängigen Rentenansprüche aus dem Beschäftigtenrentensystem bei der Berechnung der Volksrente unberücksichtigt.

Die Höhe der Grundrente, die Parameter der Einkommensprüfung und die Rentenzahlungen werden jährlich an die Preisentwicklung angepasst. In der Praxis wurden ad hoc zusätzliche Anhebungen vorgenommen.

 

Abweichende Erwerbsbiografien

Bei atypischen Erwerbsbiografien wird ein Referenzgehalt zur Berechnung der Rentenansprüche für Zeiträume verwendet, in denen kein Einkommen erzielt wurde. Werden die Rentenansprüche auf der Grundlage des Arbeitsentgelts berechnet, auf dem die während dieses Zeitraums bezogenen Leistungen basieren, erfolgt kein Abzug der Rentenversicherungsbeiträge (siehe Rentenberechnung/Verdienstabhängige Rente weiter oben). In der Regel ist der entsprechende Betrag bereits bei der Berechnung des Arbeitsentgelts abgezogen worden, auf dessen Grundlage die Höhe der Leistungen berechnet wurde.

 

Frühverrentung

Die Frühverrentung kann im Volksrentensystem ab dem Monat nach Vollendung des 63. Lebensjahrs (bzw. des 62. Lebensjahrs bei Personen, die vor 1952 geboren wurden) erfolgen. Die Rente wird für jeden Monat, um den der Renteneintritt vor Erreichung des Regelrentenalters – 65 Jahre – erfolgt, dauerhaft um 0,4% (im Vergleich zur gewöhnlichen Altersrente) gekürzt. Die Rente erhöht sich nicht auf ihr reguläres Niveau, wenn der Empfänger das 65. Lebensjahr vollendet. Diese Regelung gilt seit 2005. Im verdienstabhängigen Rentensystem ist eine Frühverrentung im Alter von 62 Jahren nur für Personen möglich, die vor 1952 geboren sind, wobei die Bezüge bei vorzeitigem Renteneintritt bis zur Vollendung des 63. Lebensjahrs für jeden Monat um 0,6% gekürzt werden. Ab 63 Jahren werden die Rentenbezüge nicht mehr gekürzt. Allerdings gelten ab diesem Alter höhere Steigerungssätze für die verdienstbezogenen Rentenansprüche.

 

Spätverrentung

Der Bezug der Volksrente kann über das Alter von 65 Jahren hinaus aufgeschoben werden; die Rente erhöht sich dann für jeden Monat, um den der Renteneintritt verschoben wird, um 0,6%. Seit 2005 verringert sich der Aufschlag bei späterem Renteneintritt im verdienstabhängigen Rentensystem nach dem Alter von 68 Jahren für jeden Monat auf 0,4% (4,8% pro Jahr). Zwischen 63 und 68 Jahren ist wegen der höheren Steigerungssätze in diesem Alter keine Anpassung vorgesehen. Es besteht die Möglichkeit, Rentenbezüge und Arbeitseinkommen zu kumulieren. Seit 2005 entstehen nach Renteneintritt durch das Arbeitsentgelt zusätzliche Rentenansprüche, und der Steigerungssatz beträgt 1,5% pro Jahr bis zum Alter von 68 Jahren.

 

INDIKATOREN © OECD 2014

 

hk 08.07.2016

 

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