Dänemark

 

Rentensystem im Jahr 2012 nach OECD

Es gibt ein staatliches Grundsicherungssystem.

Anspruchskriterien

Das Regelrentenalter beträgt derzeit 65 Jahre, wird jedoch im Zeitraum 2019-2022 schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Für den Bezug einer vollen Rente im staatlichen Alterssicherungssystem muss der Empfänger mindestens 40 Jahre in Dänemark ansässig gewesen sein. Bei kürzeren Zeiten haben die Betroffenen Anspruch auf anteilige Leistungen. Ein voller Anspruch auf die Arbeitsmarkt-Zusatzrente (ATP) setzt eine vollständige Erwerbsbiografie voraus.

Das ATP-Programm wurde 1964 eingeführt.

 

Rentenberechnung

Grundrente

Die volle Grundrente beläuft sich auf 5 713 DKK pro Monat bzw. 68 556 DKK pro Jahr, was etwa 17% des durchschnittlichen Arbeitsentgelts entspricht. Ihre Zahlung ist von einer individuellen Verdienstprüfung abhängig, wobei die Grundrente reduziert wird, wenn das Erwerbseinkommen 291 200 DKK jährlich überschreitet (etwa 75% des Durchschnittsverdiensts). Sie verringert sich in diesem Fall um 30% des Betrags, um die der Verdienst diese Obergrenze übersteigt.

 

Sozialrente

Die volle Ergänzungsleistung beträgt für Alleinstehende 5 933 DKK pro Monat bzw. 71 196 DKK pro Jahr und 34 416 DKK pro Jahr für Paare. Bei der Berechnung des tatsächlichen Betrags werden abgesehen von der staatlichen Rente alle sonstigen persönlichen Einnahmequellen berücksichtigt (einschließlich ATP und Betriebsrenten). Falls das Haushaltseinkommen 64 300 DKK übersteigt, wird die soziale Ergänzungsleistung für Alleinstehende um 30,9% des über diesem Schwellenwert liegenden Einkommens verringert. Für Paare ist der Grenzwert bei der Prüfung der Haushaltseinkommen mit 128 900 DKK angesetzt und wird ein Kürzungssatz von 16% angewandt.

In Verbindung mit der staatlichen Altersrente wird eine Zusatzrente in Höhe von 11 200 DKK gezahlt. Die Zusatzrente ist zu versteuern und wird einmal jährlich gezahlt.

Finanziell besonders benachteiligte Rentner erhalten eine bedürftigkeitsabhängige Zusatzrente. Ferner gibt es ein von den Versicherungszeiten abhängiges System, die ATP. Darüber hinaus sind über 90% der Vollzeitbeschäftigten durch eine tarifvertraglich vereinbarte obligatorische Betriebsrente abgesichert.

2014 Sie ist bedürftigkeitsabhängig und den ärmsten Rentnern vorbehalten, die kaum liquide Ersparnisse besitzen (maximal 77 700 DKK). Die staatliche Altersrente (Grund- und Ergänzungsleistungen sowie Zusatzrente) wird jährlich entsprechend der Entwicklung des Durchschnittslohns angepasst. Die Anpassung basiert auf einem Index des Lohnanstiegs in den vorangegangenen zwei Jahren. Übersteigt das nominale Lohnwachstum 2%, wird ein Betrag von maximal 0,3% des über 2% liegenden Lohnwachstums einem Reservefonds für Sozialausgaben zugeführt. Die Indexierung der Renten und anderen Sozialleistungen basiert daher auf dem Lohnanstieg abzüglich der an den Reservefonds abgeführten Beträge.

2008 wurde eine spezielle Steuerermäßigung für Erwerbseinkommen eingeführt, mit der unterstützt werden soll, dass der vollständige Austritt aus dem Erwerbsleben erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt. Von Juli 2008 an hat jeder Rentner, der Altersrentenleistungen bezieht, Anspruch auf einen Freibetrag für Erwerbseinkommen von bis zu 30 000 DKK jährlich, der bei der Berechnung der Grundrente und der Sozialrente nicht berücksichtigt wird.

 

Betriebliche Altersvorsorge

Bei diesen Rentensystemen handelt es sich um von den Sozialpartnern ausgehandelte hundertprozentig kapitalgedeckte Versicherungen mit Beitragsprimat. Nahezu alle Arbeitnehmer werden von diesen Systemen erfasst. Die Beitragssätze liegen in der Regel zwischen 9% und 17% des Arbeitsentgelts. 2006 wurde der Beitragssatz für die meisten dänischen Arbeitnehmer auf 10,8% angehoben, weshalb dieser Satz in der Modellrechnung zu Grunde gelegt wird. Die Leistungen werden im Allgemeinen in Form einer regelmäßigen Rente ausgezahlt. Der unterstellte Zinssatz beträgt 1,5% für Beitragszahlungen neueren Datums oder neue Programme. Allerdings operieren die Rentenprogramme auf Gewinnbasis, wobei die Rentenerhöhungen von den Anlagerenditen und der Sterbeinzidenz im Fonds abhängen.

Viele Rentenprogramme ermöglichen auch Einmalauszahlungen. Für die Berechnung der regelmäßigen Rentenzahlungen müssen seit dem Jahr 2000 geschlechtsneutrale Sterbetafeln verwendet werden.

 

Beitragsprimat

Bei der ATP (Arbeitsmarkt-Zusatzrente) handelt es sich um ein obligatorisches System mit Beitragsprimat, das hundertprozentig kapitalgedeckt ist und auf einer Kollektivversicherung basiert. Die ATP bietet eine lebenslange Rente ab dem Alter von 65 Jahren und eine Einmalleistung für hinterbliebene Unterhaltsberechtigte im Falle des Ablebens des Versicherten. Alle abhängig Beschäftigten und fast alle Empfänger von Sozialversicherungsleistungen sind erfasst.

Für Selbstständige ist die Teilnahme am ATP-System freiwillig.

Nahezu die gesamte Bevölkerung ist über dieses System versichert, das somit fast universell ist. Im Prinzip ist die Altersrente der ATP-Versicherung eine garantierte Anwartschaftsrente. Der Beitrag ist ein fester Betrag – also kein Anteil des Einkommens –, der nur entsprechend der Anzahl geleisteter Arbeitsstunden variiert. Für einen Vollzeitbeschäftigten belief sich der Beitrag im Jahr 2012 auf 3 240 DKK. Zwei Drittel der Beitragsleistungen trägt der Arbeitgeber, ein Drittel der Arbeitnehmer. In der nachstehenden Tabelle werden die Beitragszahlungen (Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge) den geleisteten Arbeitsstunden gegenübergestellt (für auf Monatsbasis entlohnte Arbeitskräfte).

2014 Monatliche Arbeitsstunden 116 Beiträge (DKK) pro Monat, Stand 2008 0 81 163 244 Monatliche Arbeitsstunden 116 Beiträge (DKK) pro Monat, Stand 2009 0 90 180 270 Der Beitrag wird angepasst, wenn die Sozialpartner dies im Rahmen von Tarifverträgen festlegen. In den letzten zwanzig Jahren wurde der Beitrag schrittweise mehr oder minder parallel zur Entwicklung des Durchschnittsverdiensts angepasst. In der Modellrechnung wird unterstellt, dass der Beitrag parallel zum Durchschnittsverdienst steigen wird. Für 2009 wurde eine Erhöhung um etwa 10% vereinbart. Bis 2002 ergaben jeweils 396 DKK an Beiträgen 100 DKK an Rente, zahlbar ab dem 65. Lebensjahr, unabhängig vom Alter, in dem die Beiträge geleistet wurden. Dies entspricht einer Verzinsung von durchschnittlich rd. 4,5% (für alle einzahlenden Kohorten). Seit 2002 wird ein nominaler Zinssatz von 1,5% unterstellt. Die Modellrechnung basiert auf der Annahme, dass das ATP-Programm denselben Zinssatz abwirft, der auch für kapitalgedeckte Rentenpläne mit Beitragsprimat in anderen OECD-Ländern unterstellt wird. Im ATP-Programm werden die Rentenzahlungen genauso angehoben wie die Rentenansprüche, wenn die finanzielle Situation dies erlaubt. Dies erfolgt in Form von Bonuszahlungen. Die Erhöhungen sind ebenso garantiert wie die erworbenen Rentenansprüche. In der Modellrechnung wird eine volle Indexierung an der Preisentwicklung unterstellt. 2008 ist ein völlig neues System für den Erwerb von ATP-Anwartschaften eingeführt worden. Das Modell basiert auf Swapzinssätzen, im Gegensatz zu festen Nominalzinssätzen von beispielsweise 1,5%. In dem neuen System wird die altersabhängige Aufteilung der Mittelzuweisungen zum Garantiefonds und zum Bonusfonds aufgegeben; stattdessen erfolgt eine einheitliche Aufteilung, bei der 80% aller Beiträge in den Garantiefonds und 20% in den Bonusfonds fließen.

 

Abweichende Erwerbsbiografien

Spätverrentung

Es besteht die Möglichkeit, die Inanspruchnahme der staatlichen Altersrente um bis zu zehn Jahre aufzuschieben. Der Wertzuwachs bei Aufschub um jeweils ein Jahr ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen der Zeitspanne des Aufschubs und der durchschnittlichen Lebenserwartung zum Zeitpunkt des Renteneintritts. Zum Beispiel zeigen Bevölkerungsprojektionen, dass die Lebenserwartung eines 68-Jährigen bei 17,1 Jahren liegt. Der Wertzuwachs bei Aufschub um ein Jahr im Alter von 67 Jahren wäre daher 1/17,1 = 5,8%.

Kindererziehungszeiten

Während Mutterschafts-/Vaterschafts-/Elternurlaubszeiten wird der doppelte Beitragssatz zur ATP-Versicherung eingezahlt. Der Empfänger der Leistungen zahlt ein Drittel des Beitrags, zwei Drittel übernimmt der Staat/die Gemeinde. Mutterschafts-/Vaterschafts-/ Elternurlaubsgeld kann bis zu maximal 52 Wochen bezogen werden. Die vier Wochen vor und die ersten 14 Wochen nach der Geburt sind der Mutter vorbehalten. Der Vater hat Anspruch auf zwei Wochen innerhalb der ersten 14 Wochen nach der Geburt (Vaterschaftsurlaub). Die letzten 32 Wochen können Vater und Mutter unter sich aufteilen (Elternzeit). Personen, die über diesen Zeitraum hinaus nicht am Arbeitsmarkt teilnehmen, um sich um ihre Kinder zu kümmern, wechseln normalerweise in ein anderes System über, das ebenfalls einen ATP-Beitrag vorsieht. In der Regel kehren junge Eltern nach Ablauf des Mutterschafts-/ Vaterschafts-/Elternurlaubs wieder in den Arbeitsmarkt zurück, es sei denn, das Kind sei z.B. krank oder behindert; in solchen Fällen gibt es normalerweise Möglichkeiten, gewisse staatliche Leistungen zu beziehen, die die Zahlung von Beiträgen zur ATP-Versicherung ermöglichen. In der betrieblichen Altersvorsorge sind keine Beitragszahlungen bzw. Anrechnungsmöglichkeiten für Kinderbetreuungszeiten vorgesehen.

 

Arbeitslosigkeit

Während einer Phase der Arbeitslosigkeit übernimmt die Arbeitslosenversicherung (oder die Gemeinde, falls kein Arbeitslosenversicherungsschutz besteht) die Zahlungsverpflichtung des Arbeitgebers, und die ATP-Beiträge werden verdoppelt, sofern Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung bezogen werden (wenn es sich um Sozialhilfeleistungen handelt, wird der normale Betrag gezahlt). Der Staat zahlt zwei Drittel des Beitrags, wenn die Leistungen der Arbeitslosenversicherung auslaufen und die betreffende Person Arbeitslosen bzw. Sozialhilfe bezieht.

In der betrieblichen Altersvorsorge sind keine Beitragszahlungen oder Anrechnungsmöglichkeiten für Arbeitslosigkeitsphasen vorgesehen. Es gibt außerdem ein freiwilliges Vorruhestandssystem, das an die Arbeitslosenversicherung geknüpft ist und ab dem Alter von 60 Jahren (im Zeitraum 2014-2017 wird dieses Alter schrittweise auf 62 Jahre angehoben) bis zum normalen Renteneintrittsalter Leistungen zahlt. Anspruchsberechtigt ist, wer mindestens 30 Jahre in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt und in dieser Zeit freiwillige Vorruhestandsbeiträge entrichtet hat. Eine weitere Voraussetzung ist, dass im Fall der Arbeitslosigkeit zum Zeitpunkt des Übergangs in das freiwillige Vorruhestandssystem Anspruch auf Leistungen der Arbeitslosenversicherung besteht. Die Höhe der Leistungen entspricht der Höhe der Arbeitslosenunterstützung, allerdings begrenzt auf 91% des Höchstbetrags dieser Leistungen, d.h. 3 585 DKK pro Woche für Vollzeitbeschäftigte und 2 390 DKK für Teilzeitbeschäftigte (Zahlen aus dem Jahr 2012).

Die Vorruhestandsleistungen können nicht mit der Sozialrente kombiniert werden. Wer sich entscheidet, den Bezug der Vorruhestandsleistungen um mindestens zwei Jahre nach Erreichen des Anspruchsalters zu verschieben und noch beschäftigt ist, erhält höhere Vorruhestandsleistungen, in Höhe der maximalen Arbeitslosenunterstützung (2012 entsprach dies 3 940 DKK wöchentlich). Wer ab dem Zeitpunkt des Anspruchs auf Vorruhestands- oder vergleichbare Leistungen noch drei Jahre Vollzeit weiterarbeitet, erhält eine Einmalzahlung von bis zu 147 516 DKK (Stand 2012)

 

 

hk 08.07.2016

 

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