Rumänien

Ein Altersruhegeld nach OECD liegt nicht vor.

Altersruhegeld nach fremden Angaben

Altersrente in Rumänien laut der deutschen Rentenversicherung

Ein chronisch krankes System

Ein Ausweg?

 

 

Altersrente

In welchen Situationen habe ich Anspruch auf Leistung?

Altersrente steht Ihnen zu, wenn Sie die gesetzliche Altersgrenze erreicht haben und die Mindestbeitragszeiten erfüllen.

Vorruhestand können Sie höchstens fünf Jahre vor dem Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze beantragen, wenn Ihre geleisteten Beitragszeiten mindestens acht Jahre länger als die vollen Pflichtbeitragszeiten sind.

Altersteilzeit steht Ihnen höchstens fünf Jahre vor dem Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze zu, wenn Sie die Beitragszeiten erfüllen, oder die vollen Pflichtbeitragszeiten um maximal acht Jahre überschritten haben.

Die nach dem 1. Juli 1971 geborenen Personen, die Beiträge in das öffentliche Rentensystem leisten, sind verpflichtet, sich an einem privat verwalteten Rentenfonds zu beteiligen. Die zwischen dem 1. Juli 1961 und dem 1. Juli 1971 geborenen Personen, die Beiträge in das öffentliche Rentensystem leisten, können sich auch freiwillig an einem privat verwalteten Rentenfonds beteiligen.

 

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Um Altersrente beziehen zu können, müssen Sie die gesetzliche Altersgrenze erreicht haben und die Mindestbeitragszeiten erfüllen.

Stand zum 1. Juli 2014:

Das gesetzliche Rentenalter für Frauen beträgt 59 Jahre und 10 Monate und wird bis Januar 2030 stufenweise auf 63 Jahre angehoben.

Das gesetzliche Rentenalter für Männer beträgt 64 Jahre und 10 Monate und wird bis Januar 2015 stufenweise auf 65 Jahre angehoben.

Die Mindestbeitragszeit beträgt 14 Jahre und acht Monate, sowohl für Frauen als auch für Männer, und wird bis Januar 2015 stufenweise auf 15 Jahre angehoben.

Die volle Beitragszeit für Frauen beträgt 29 Jahre und acht Monate und wird bis Januar 2030 stufenweise auf 35 Jahre angehoben.

Die volle Beitragszeit für Männer beträgt 34 Jahre und acht Monate und wird bis Januar 2015 stufenweise auf 35 Jahre angehoben.

Das gesetzliche Rentenalter, die Mindest- und die volle Pflichtbeitragszeit des Personals in den Bereichen öffentliche Ordnung, Verteidigung und nationale Sicherheit unterliegen anderen Regelungen.

Menschen mit vollen Beitragszeiten können vor dem Regelalter in Ruhestand gehen, wenn sie Beitragszeiten unter besonderen Arbeitsbedingungen geleistet haben:

Spezielle Arbeitsbedingungen oder besondere Tätigkeiten in den Bereichen nationale Verteidigung, öffentliche Ordnung und nationale Sicherheit;

Ehemalige Arbeitsgruppen I und II, in Kraft vor dem 1. April 2001.

Politisch Verfolgte, Blinde und Menschen mit Behinderung können ebenfalls, unter Berücksichtigung der gesetzlichen Bestimmungen, vor dem Regelalter in Ruhestand gehen.

Beitragsfreie Zeiten, wie beispielsweise Bezugszeiten von Invaliden- oder Erwerbsunfähigkeitsrente, Vollzeitstudium mit Diplomabschluss und Pflichtwehrdienst, werden für die Bemessung der Regelaltersrente und der vorgezogenen Altersrente berücksichtigt.

 

Altersrente

Im öffentlichen Rentensystem wird die Höhe der Altersrente auf der Grundlage der geleisteten Beitragszeiten und der angegebenen Einkommen sowie der Anwartschaftspunkte bemessen. Im Jahr 2014 entspricht ein Rentenpunkt 790,70 RON = 166,72 Euro

Das Rentenbemessungssystem basiert auf Anwartschaftspunkten, bezogen auf den monatlichen Bruttolohn oder auf das feste Monatseinkommen, sowie auf den, vom Landesstatistikinstitut ermittelten, nationalen Monatsdurchschnittslohn.

Wenn Sie die vollen Beitragszeiten oder mehr geleistet haben, ist der durch diese Formel ermittelte Rentenbetrag höher als bei geringeren Beitragszeiten.

Vorruhestand und Altersteilzeit

Die Höhe der vorgezogenen Altersrente, des Vorruhestandes und der Altersteilzeit wird wie bei der Regelaltersrente ermittelt, aber bei der Altersteilzeit gibt es Abzüge in Höhe von 0,75 % für jeden vorgezogenen Monat.

Beim Erreichen des Regelalters gehen sowohl die vorgezogene Altersrente, als auch die Altersteilrente in die Altersrente über und die Abzüge für die vorgezogene Altersteilrente gelten nicht mehr.

Renten über 1000 RON unterliegen der Einkommenssteuer. Diese betrifft nur den 1000 RON überschreitenden Anteil des Rentenbetrags.

Renten über 740 RON unterliegen der Sozialbeitragspflicht. Diese betrifft nur den 740 RON überschreitenden Anteil des Rentenbetrags und darf die Rente nicht unter dieses Einkommen sinken lassen.

Um einen Rentenanspruch geltend zu machen, müssen Sie einen entsprechenden Antrag bei der zuständigen Rentenkasse stellen. Ihrem Antrag müssen Belege beigefügt werden, dass Sie die Bedingungen für die beantragte Rente erfüllen.

Privatversicherte müssen das bei ihrem privat verwalteten Rentenfonds beantragen. Der zu erhaltende Gesamtbetrag kann nicht geringer als die eingezahlten Beiträge sein, abzüglich der Überweisungsgebühr und der gesetzlichen Provision.

Alle o. g. Rentenarten können per Post- oder Banküberweisung auf das Konto des Begünstigten eingezahlt werden.

Begriffe (Glossar)

Beitragszeiten: Zeitraum, in dem die Versicherten Beiträge geleistet haben, um Altersrente, Vorruhestand oder Altersteilzeit in Anspruch nehmen zu können. Durch den Gesetzgeber unterschiedlich für Frauen und Männer festgelegt

Rentenversicherte/r: Natürliche Person, für die der Arbeitgeber Sozialbeiträge einbehalten und einzahlen muss, oder eine freiwillig Sozialabgaben zahlende Person.

Besondere Arbeitsplatzbedingungen: Arbeitsplätze mit hohem Berufsrisikofaktor, im privaten oder öffentlichen Sektor, die während des gesamten Berufslebens zu Berufserkrankungen oder Risikohandlungen mit Sicherheits- und Gesundheitsgefährdung des Versicherten führen können.

Spezielle Arbeitsplatzbedingungen: Arbeitsplätze mit hohem Berufsrisikofaktor, im privaten oder öffentlichen Sektor, die während 50 % des Berufslebens zu Berufserkrankungen oder Risikohandlungen mit Sicherheits- und Gesundheitsgefährdung des Versicherten führen können.

Andere Arbeitsplatzbedingungen: Arbeitsplätze und Tätigkeiten in den Bereichen der Staatsverteidigung, der öffentlichen Ordnung und der nationalen Sicherheit, die eine konstante Gefahr von Körperverletzung, Invalidität, Verstümmelung, Lebens- oder Freiheitsverlust darstellen, gegen die keine Vorbeugungs- oder Schutzmaßnahmen getroffen werden können.

Ihre Rechte

Die unten aufgeführten Links bieten Ihnen zusätzliche Informationen über Ihre Rechte und Pflichten bezüglich Altersrente, Vorruhestand und Altersteilzeit. Diese Seiten gehören nicht der Europäischen Kommission und stellen nicht die Position der Europäischen Kommission zu diesem Thema dar:

Altersrente

Vorruhestand

Altersteilzeit

 

Rumänisches Rentensystem ist chronisch krank

Rumänien muss dringend sein Rentensystem reformieren, um einen Kollaps zu verhindern. Dies ist indes schwer, weil Strukturprobleme seit Jahrzehnten ungelöst geblieben sind. Obwohl Renten niedrig sind fehlt Geld.

 

Generationenvertrag vor dem Aus?

Rumänien ist – mit Ausnahme Bulgariens – das Land mit den niedrigsten Renten und mit den größten Gegensätzen zwischen armen und reichen Rentnern in der EU. Das Gleichgewicht zwischen Rentnern und der aktiven Bevölkerung ist massiv gestört. Rund sechs Millionen Bürger beziehen ihre Rente vom Staat. Dagegen arbeiten nur knapp über vier Millionen Menschen.

Erschwerend kommt hinzu, dass lediglich 58 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung bis zum Renteneintrittsalter von 64 Jahren tatsächlich beschäftigt sind. Grund dafür ist eine allgemeine Vorruhestands-Regelung, durch die die Politik praktisch die Arbeitslosigkeit verschleiert.

Aus einer aktuellen Statistik geht außerdem hervor, dass eine von sechs Arbeitsunfähigkeitsrenten illegal erworben wurde. So ist es nicht verwunderlich, dass das reale Renteneintrittsalter in Rumänien bei 55 Jahren liegt.

 

Staatsdefizit macht Rentenkasse zu schaffen

Doch das rumänische Rentensystem weist noch weitere Besonderheiten auf. Beträgt die kleinste Rente umgerechnet rund 80 Euro, verfügeneinige Hunderttausend Pensionäre über so genannte Luxus-Renten von bis zu 8.000 Euro pro Monat. Eine Berufsgruppe sticht dabei besonders hervor: die Richter.

Der rumänische Präsident Traian Basescu zeichnete jüngst in einem TV-Interview ein düsteres Bild des Rentensystems: “Ausgehend von einem Wahlversprechen, die Renten anzuheben, haben wir eine schwierige Situation übernommen. Wir werden Jahr für Jahr ein Defizit in der Rentenkasse von drei bis vier Milliarden Euro zu finanzieren haben. Wir müssen uns Geld leihen, nicht um Investitionen zu tätigen, sondern um 3,7 Milliarden Euro jährlich in das Renten-Budget zu stopfen.”

 

Rezession erschwert Lage

 

Rentner gingen wegen Rentensenkung in Bukarest auf die Straße

 

Zwischen 2007 und 2008, als Rumänien ein von Konsum geprägtes Wirtschaftswachstum von acht Prozent verzeichnete, beschloss die damalige Regierung eine Anhebung der Renten um 50 Prozent. Diese wirtschaftlich wenig sinnvolle Maßnahme war politisch bedingt, sind doch die Rentner eine nicht zu verachtende und disziplinierte Wählermasse. Die Folgen sind verheerend: Experten gehen davon aus, dass das rumänische Rentensystem in spätestens 30 Jahren zusammenbricht.

Die verlängerte Rezession hat zur Verschärfung der Lage beigetragen. Der harte Sparkurs, den die Regierung des Premierministers Emil Boc dem Land verordnet hat, sollte auch die Rentner treffen: die Herabsetzung der Renten um 15 Prozent war Teil des Pakets.

Tausende Rentner gingen auf die Straße. Das Verfassungsgericht wies die Maßnahme als verfassungswidrig zurück, die Regierung musste den Beschluss zurück nehmen. Was somit auch die Beibehaltung der hohen “Luxus-Renten” bedeutete – die Richterschaft war zufrieden.

 

Lösungsansätze

Chance auf ruhigen Lebensabend?

 

Jetzt werden in Rumänien neue Ansätze gesucht, um die Rentner doch noch zur Kasse zu bitten. Im Gespräch ist die Besteuerung aller Renten – zurzeit wird der allgemeine Einheits-Steuersatz von 16 Prozent (Flat-Tax) nur ab einer Rente von 240 Euro erhoben. Denkbar wäre auch die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 65 Jahre für Männer und 60 für Frauen. Anfang September soll im Parlament über ein neues Rentengesetz beraten werden.

Trotz der Gefahr eines Zusammenbruchs des staatlichen Rentensystems steckt die private Vorsorge noch in den Kinderschuhen. Private Rentenfonds machen gerade Mal 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Die Erklärung dafür liegt auch in der weiterhin flächendeckenden Korruption.

Einerseits befürchten viele Menschen, von den Privatfirmen über den Tisch gezogen zu werden. Andererseits gibt es, nach Meinung von Beobachtern, einen stillschweigenden “Vertrag” zwischen dem Staat und einem großen Teil seiner Bürger mit schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt: sie dürfen weiterhin vom maroden System profitieren und dulden im Gegenzug die Korruption der staatlichen Behörden. Ein Geschäft, aus dem der Staat als Verlierer hervorgehen müsse.

Autoren: Vlad Mixich / Robert Schwartz

Redaktion: Mirjana Dikic/ Fabian Schmidt

 

An dieser Seite wird noch gearbeitet.

hk 17.05.2016

 

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