Luxemburg

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Rentensystem im Jahr 2012 nach OECD

Das staatliche Rentensystem besteht aus zwei Komponenten: einer Pauschalleistung, deren Höhe von den Beitragsjahren abhängt, und einem verdienstabhängigen Teil. Ferner gibt es eine Mindestrente.

 

Anspruchskriterien

Eine vorgezogene Altersrente kann nach 40 (Pflicht- oder freiwilligen) Beitragsjahren ab dem vollendeten 57. Lebensjahr bezogen werden. Bei Nachweis einer 40-jährigen Pflicht-, freiwilligen oder anrechenbaren Versicherungszeit kann die Rente ab dem Alter von 60 Jahren ausgezahlt werden. Da die Modellrechnungen von einer vollständigen Erwerbsbiografie ab dem Alter von 20 Jahren ausgehen, wird im Basisszenario unterstellt, dass die Rente mit 60 Jahren angetreten wird. Ansonsten beträgt das Regelrentenalter 65 Jahre (bei mindestens 10 Beitragsjahren).

 

Rentenberechnung

Grundrente

Diese betrug 2013 436 Euro monatlich bei Nachweis einer Versicherungszeit von 40 Jahren. Das entspricht rd. 10% des Durchschnittsverdiensts. Bei unvollständigen Versicherungszeiten werden die Leistungen anteilmäßig gekürzt; formell beträgt die Grundrente 23,613% eines Richtwerts, der 2013 bei 1 846 Euro lag. Es gibt auch eine „Jahresendzulage“ in Höhe von 59 Euro zusätzlich pro Monat nach 40 Beitragsjahren. Diese wird bei Erwerbsbiografien von weniger als 40 Jahren anteilmäßig gekürzt, was rd. 1,48 Euro pro Monat für jedes Versicherungsjahr entspricht. Die Jahresendzulage wird an die nominale Lohnentwicklung angepasst.

 

Verdienstabhängige Rente

Der Steigerungssatz für die verdienstabhängige Rente beträgt 1,844% pro Jahr. Bei der in der Formel verwendeten Messgröße für die Arbeitsverdienste handelt es sich um den Durchschnittsverdienst während des gesamten Arbeitslebens, der entsprechend der Bruttolohnentwicklung angepasst wird. Der Steigerungssatz ist bei älteren Arbeitskräften und Personen mit längeren Beitragszeiten höher. Für jedes Jahr über 93 (Alter + Beitragsjahre) hinaus erhöht sich der Steigerungssatz um 0,011 Prozentpunkte. Der Höchststeigerungssatz beträgt 2,05% pro Jahr. Unter der üblichen Annahme einer vollen Erwerbsbiografie ab dem 20. Lebensjahr ergibt sich ein Steigerungssatz von 1,921%.

Die Höchstrente lag im Jahr 2013 bei 7 692 Euro pro Monat (formal ausgedrückt als das 4,17-Fache des jeweiligen Richtwerts). Das entspricht etwas weniger als 180% des Durchschnittsverdiensts.

Die Renten werden automatisch an die Preisentwicklung angepasst (bei einer kumulativen Inflation von mindestens 2,5%). Außerdem müssen jedes Jahr Anpassungen an das Reallohnniveau in Erwägung gezogen werden. Seit dem 1. Januar 2013 sind Anpassungen der Renten an die Löhne nur dann möglich, wenn die jährlichen Einnahmen aus den Beiträgen die Rentenausgaben übersteigen.

 

Mindestrente

Die Mindestrente beträgt bei Nachweis einer Beitragszeit von 40 Jahren 1 662 Euro pro Monat (definiert als 90% des Richtwerts), was 39% des Durchschnittsverdiensts entspricht.

Bei kürzeren Beitragszeiten wird dieser Betrag anteilmäßig reduziert, wobei aber mindestens 20 Pflicht-, freiwillige oder anrechenbare Versicherungsjahre bestehen müssen.

 

Sozialhilfe

Der Sozialhilfesatz beträgt für Alleinstehende 1 315 Euro pro Monat.

 

Abweichende Erwerbsbiografien

Frühverrentung

Ein vorgezogener Renteneintritt ist mit 57 Jahren nach 40 Beitragsjahren und mit 60 Jahren nach 40 effektiven Beitragsjahren oder gleichgestellten Zeiten möglich. Frührentner können den Rentenbezug mit Erwerbsarbeit kombinieren, vorausgesetzt die Bezüge sowie die Rentenzahlungen liegen dabei zusammen nicht über dem Durchschnitt der fünf höchsten Jahreseinkommen in der jeweiligen Erwerbsbiografie. Versicherungsmathematische Abschläge bei vorgezogenem Renteneintritt sind nicht vorgesehen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Vorruhestandsregelungen, darunter insbesondere die Préretraite-solidarité und die Préretraite-ajustement. Die erste Regelung ermöglicht den Vorruhestand, wenn der Arbeitgeber dafür einen von der öffentlichen Arbeitsverwaltung vermittelten Arbeitslosen einstellt. Im Rahmen des zweiten Programms können ältere Arbeitskräfte in Rente gehen, wenn sie ihren Arbeitsplatz auf Grund von Umstrukturierungen oder Unternehmenskonkursen verlieren. Beide Programme können zwischen dem 57. und dem 60. Lebensjahr in Anspruch genommen werden. Die Vorruhestandsleistungen belaufen sich auf 85% des früheren Verdiensts im ersten Jahr, 80% im zweiten Jahr und 75% im dritten Jahr. Als Verdienstmessgröße dient das Arbeitsentgelt der letzten drei Monate.

 

Spätverrentung

Die Rente muss zum Regelrentenalter von 65 Jahren in Anspruch genommen werden. Nach Erreichen dieses Alters kann der Rentenbezug mit einer Erwerbstätigkeit kombiniert werden, ohne dass sich die Rente dadurch verringert.

 

Kindererziehungszeiten

„Babyjahre“ (zwei Jahre für ein Kind und vier Jahre für zwei Kinder) werden auf die Beitragsdauer angerechnet. Der anrechnungsfähige Verdienst beruht auf dem unmittelbar vor Beantragung der Babyjahre bezogenen Arbeitsentgelt. Der Zeitraum wird auf die Beitragsdauer angerechnet und geht in die Pauschalkomponente der Rentenformel ein.

 

INDIKATOREN © OECD 2014

 

hk 15.07.2016

 

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