Griechenland

 

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Rentensystem im Jahr 2012 nach OECD

Griechenland verfügt über eine staatliche Rentenversicherung mit verdienstabhängigen Leistungen sowie über verschiedene Mindestrentensysteme bzw. soziale Sicherheitsnetze.

Anspruchskriterien

Seit dem 1. Januar 2013 beträgt das Regelrentenalter für Männer und Frauen 67 Jahre. Voraussetzung für den Bezug einer Rente ab diesem Alter sind mindestens 4 500 beitragspflichtige Arbeitstage (was 15 Beitragsjahren entspricht). Arbeitnehmer mit einer Versicherungszeit von 12 000 Arbeitstagen (40 Jahre) können ab dem Alter von 62 Jahren mit vollen Rentenbezügen aus dem Erwerbsleben ausscheiden.
Sonderkonditionen gelten für Personen, die in besonders belastenden bzw. gesundheitsschädlichen Berufen tätig sind, sowie für Mütter unterhaltsberechtigter oder behinderter Kinder.
Für den Bezug der Mindestaltersrente sind 15 Beitragsjahre erforderlich.

Rentenberechnung

Verdienstabhängiges System

Der Steigerungssatz für die verdienstabhängige Rente (ab 1. Januar 2015) erhöht sich progressiv von 0,80% pro Jahr (für 300-4 500 Versicherungstage) auf 1,5% pro Jahr (bei Arbeitsentgelten für 11 701-15 000 Versicherungstage). Seit dem 1. Januar 2013 entfällt die Auszahlung der Weihnachts- sowie der Oster- und Sommerzulage (die sogenannte 13. und 14. Rente).
Seit dem 1. Januar 1993 gibt es für alle Versicherten eine Höchstrente. 2011 belief sich diese Höchstrente brutto auf 2 773,40 Euro.
Die Anpassung der Renten erfolgt ab Januar 2014 zu 50% gemäß der jährlichen Entwicklung des BIP-Wachstums und zu 50% gemäß der Entwicklung des Verbraucherpreisindex (VPI), wobei die jährliche VPI-Entwicklung die Obergrenze für die Anpassung darstellt.

Grundrente

Ab dem 1. Januar 2015 wird die Grundrente von allen Sozialversicherungsträgern gewährt, sofern die Empfänger mindestens 67 Jahre alt sind, einen dauerhaften Wohnsitz in Griechenland von mindestens 15 Jahren vorweisen können und bestimmte Kriterien im Hinblick auf ihr früheres Einkommen erfüllen.

Abweichende Erwerbsbiografien

Frühverrentung

Eine Frühverrentung ist möglich. Ein vorzeitiger Rentenbezug führt normalerweise zu Abschlägen (1/200 pro Monat), wobei in bestimmten Fällen Ausnahmen gelten, darunter bei sehr langen Erwerbsbiografien (40 Jahre – Alter 62) und im Fall einer Beschäftigung in besonders belastenden bzw. gesundheitsschädlichen Berufen, wo eine volle Altersrente unter günstigen Voraussetzungen gezahlt wird. Beitragsjahre Anspruchsalter Bedingungen 15 67 Ohne Abschlag 15 62 Mit Abschlag (1/200) 40 62 Ohne Abschlag

Spätverrentung

Ein aufgeschobener Rentenbezug ist möglich, und es existiert keine Zwangsverrentung, außer für Beschäftigte des öffentlichen Sektors. Ferner ist es möglich, Erwerbseinkommen und Rentenzahlungen zu kombinieren, vorausgesetzt die Rentenempfänger sind nicht unter 55 Jahre alt. Der 1 007,00 Euro übersteigende Teil der Rente wird dann um 70% gekürzt, allerdings mit einem Freibetrag für unterhaltsberechtigte Kinder von sechs Arbeitsentgelten.

Kindererziehungszeiten

Für Mütter mit Anspruch auf eine Altersrente unter den bis zum 31. Dezember 2010 geltenden Rentenbestimmungen ist eine Anrechnung im Hinblick auf die Rentenanspruchskriterien von einem Jahr für das erste Kind (300 Versicherungstage) und von zwei Jahren für jedes weitere Kind bis zu einer Höchstzahl von drei Kindern (600 Versicherungstage) vorgesehen; dies gilt für Kinder, die nach dem 1. Januar 2000 geboren wurden. Was Versicherte mit Anspruch auf eine Altersrente im Rahmen der neuen, ab dem 1. Januar 2011 geltenden Rentenbestimmungen anbelangt, kann einer der Elternteile eine fiktive Versicherungszeit wegen Kindererziehung geltend machen (1 Jahr bzw. 300 Tage für das erste Kind, zwei Jahre für das zweite und jedes weitere Kind bis zu maximal insgesamt fünf Jahren), um die für den Rentenanspruch erforderlichen Kriterien zu erfüllen. Seit 2013 beläuft sich die maximal anrechenbare fiktive Versicherungszeit auf sechs Jahre.

Arbeitslosigkeit

Im Fall von Versicherten mit Anspruch auf eine Altersrente können gemäß den strengeren, am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Vorschriften Zeiten der (freiwilligen oder unfreiwilligen) Arbeitslosigkeit als fiktive Versicherungszeit zur Erfüllung der Mindestvoraussetzungen für den Rentenbezug angerechnet werden. Arbeitslosenunterstützung kann über das gesamte Erwerbsleben nicht länger als ein Jahr bzw. 300 Tage bezogen werden, wobei die ab 2013 geltende Begrenzung der fiktiven Versicherungszeit auf maximal sechs Jahren Anwendung findet. Ab 2014 ist die fiktive Versicherungszeit, die im Hinblick auf die Rentenansprüche insgesamt berücksichtigt werden kann, auf sieben Jahre begrenzt.

INDIKATOREN © OECD 2014

 

Das Märchen von den Luxusrenten
25.03.2015, von Rainer Hermann (Rainer Hermann, Jahrgang 1956, Redakteur in der Politik) –  © Frankfurter Allgemeine


[hier Klicken zum Original in der Frankfurter Allgemeine]

Wie gut geht es Rentnern in Griechenland nach Jahren der Krise?
Ein Blick auf das System, das so viel anders funktioniert als die deutsche Rentenkasse, offenbart, wie stark die Einschnitte für alte Menschen in Wirklichkeit sind.

Es gibt keine aktuellen Berichte der EU-Kommission oder des Internationalen Währungsfonds über das griechischen Rentensystem und die aktuelle Höhe der Rentenzahlungen. Dennoch kursieren in der deutschen Debatte Zahlen über die Renten in Griechenland, die Vorurteile über „Luxusrenten“ zu bestätigen scheinen, aber die griechische Wirklichkeit nicht wirklich abbilden. Renten in Griechenland funktionieren anders und sind anders aufgebaut als in Deutschland. Sie sind daher auch nicht direkt miteinander vergleichbar. Die Unterschiede sind vielmehr so gravierend, dass gerade nicht behauptet werden kann, Rentnern in Griechenland gehe es heute besser als in Deutschland.

Ein erster wichtiger Unterschied besteht darin, dass in Griechenland das System der Betriebsrente so gut wie unbekannt ist. In Griechenland gibt es – bis auf wenige Ausnahmen – nicht den Mix an unterschiedlichen Rentenbezügen wie in Deutschland. Während ein deutscher Rentner meist auf die staatliche Rente, eine Betriebsrente und eine private Rentenversicherung zurückgreifen kann, bleibt dem Griechen lediglich die staatliche Rente. Eine private Rentenversicherung wird in Griechenland bis heute steuerlich nicht begünstigt, und nur einige Berufszweige, etwa die Ärzte, kennen eine berufsgenossenschaftliche zweite Säule der Rentenversicherung.

Besonders hart trifft es griechische Landwirte. Sie erhalten meist nur eine monatliche „Landwirtschaftsrente“ von 350 Euro, selbst wenn sie mindestens 35 Jahre Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt haben. Sie gehören damit zu dem Fünftel der griechischen Rentner, die mit weniger als 500 Euro im Monat auskommen müssen. Andererseits erhalten 17 Prozent eine Rente von 1500 Euro und mehr.
Frühverrentung kaschiert Arbeitslosigkeit

Ein direkter Vergleich zwischen der deutschen und der griechischen Rente krankt auch daran, dass in Griechenland die Arbeitslosenhilfe nach zwölf Monaten ausläuft. Häufig wird die Arbeitslosigkeit durch eine Frühverrentung kaschiert. Offiziell hat jeder vierte Grieche in den vergangenen Jahren als Folge der Krise seine Arbeit verloren; die meisten von ihnen sind Langzeitarbeitslose, werden als Rentner geführt und belasten nicht eine Arbeitslosenversicherung, sondern die Rentenkasse.

In die Irre führt auch ein Vergleich der Rentenhöhe als Anteil am zuletzt ausgezahlten Lohn, wenn beim griechischen Wert der „Grundlohn“ zugrunde gelegt wird. Traditionell hat sich in Griechenland der Bruttolohn aus einem Grundlohn und Zulagen zusammengesetzt, die bis zu einem Drittel des Bruttolohns betrugen. Wann immer es schwierig war, den Lohn anzuheben, geschah dies über die Zulagen.

So hatte ein Lokführer bis zum Beginn der Krise einen Bruttolohn von 3500 Euro, der Grundlohn lag bei lediglich 2500 Euro. Hatte ein Lokführer 2009 noch eine Rente von 2300 Euro bezogen, hat sie sich für ihn – wie für eine Mehrheit der griechischen Rentner – seither halbiert. Das ist eine Folge der Vereinbarungen Griechenlands mit der Troika und, gemessen am zuletzt ausgezahlten Bruttolohn, wahrlich keine Luxusrente. Die vereinbarten der Regierung beginnen langsam zu greifen; seit dem Beginn der Krise ist auch die Höhe des Bruttolohns deutlich zurückgegangen. Da auf die Zulagen kein Rechtsanspruch besteht, wurden zunächst sie abgeschmolzen.

In die staatliche Rentenkasse zahlen anteilig der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber ein; zudem leistet der Staatshaushalt einen hohen Zuschuss. Denn das griechische Rentensystem gilt seit langem als marode. Seit den neunziger Jahren ist bekannt, dass die Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu niedrig sind, dass also zur Finanzierung der Leistungen nicht genug eingezahlt wird. Zudem erfordert die schrumpfende und alternde Bevölkerung eine radikale Strukturreform der Rentenversicherung.

Der Staat hat die Lücke mit jährlichen Zuschüssen gestopft, doch auch sie werden abgeschmolzen. Der Zuschuss betrug 2009 noch 20 Milliarden Euro, heute sind es 14 Milliarden Euro. Dazu wurden Leistungen gekürzt, und das Renteneintrittsalter wurde zunächst von 62 auf 65 Jahre, zuletzt auf 67 Jahre erhöht. Gestrichen wurden Leistungen wie die 13. und 14. Monatsrente, massiv beschnitten – in der Regel auf ein Drittel – wurden Leistungen für Rentner, die schon nach 25 Beitragsjahren in Rente gegangen sind, was in der Vergangenheit für allem für Angehörige der griechischen Armee und für Mütter möglich war, die aber heute noch keine 55 Jahre alt sind.

Im öffentlichen Dienst wurden zudem die Pensionsleistungen im Durchschnitt um ein Drittel gekürzt. So hat der griechische Staat seine Zusagen an die Rentner und Pensionäre nicht eingehalten, und die griechischen Rentner sind nicht in den Genuss der Hilfsprogramme der Troika für Griechenland gekommen.
Original-Text aus der ©F.A.Z – eingestellt am 26.03.2015

 

hk 08.06.2016

 

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