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Rentensystem in Großbritannien

Kurze Beschreibung der Rentensituation und des Rentensystems.

Das Rentensystem in Großbritannien basiert auf 3 Säulen:

der staatlichen Rente,

den Betriebsrenten

und der privaten Vorsorge.

Da die staatlichen Rentenleistungen gering sind, haben die Betriebsrenten und die private Vorsorge eine hohe Bedeutung. Rund 47% aller Beschäftigten haben eine Betriebsrente, 19% haben Vorsorge für eine private Zusatzrente getroffen. Ab 2012 erhöht sich noch die Bedeutung der Betriebsrenten, da dann eine für alle Arbeitnehmer verpflichtende Betriebsrente vorgeschrieben wird. Da die demographische Entwicklung in Großbritannien problematisch ist, versucht der Staat die staatliche, umlagefinanzierte Rente zu entlasten, indem ein teilweiser Übergang in ein Kapital gedecktes System möglich ist. Das stellt sich für einen Arbeitnehmer so dar, dass er sich von der entgeltbezogenen staatlichen Rente befreien lassen kann, wenn er eine eigene

1 www.pensionsorter.co.uk

2 www.bis.gov.uk

entsprechende Altersvorsorge vornimmt oder wenn der Arbeitgeber eine mindestens gleichwertige betriebliche Altersversorgung sicherstellen kann. Mit dem „Pensions Act 2007/2008“ ist eine weitreichende Rentenreform umgesetzt worden, die von einer nachhaltigen Gestaltung des Rentensystems ausgeht, indem eine schrittweise Anhebung des Rentenalters und neue Anreizsysteme zum Ausbau der privaten Vorsorge durch die Beschäftigten beschlossen wurden.

Der gesetzlichen 1. Säule

Die staatliche Rente setzt sich in Großbritannien aus einer pauschalen Grundrente (Basic State Pension) und einer entgeltbezogenen Zusatzrente(Additional State Pension) zusammen. Der Geltungsbereich für die Grundrente bezieht alle Arbeitnehmer und Selbstständigen mit ein, die Zusatzrente ist dagegen nur für Arbeitnehmer. Die Altersgrenze für den Renteneintritt beträgt bei beiden Rentenarten 65 Jahre für Männer und 60 Jahre für Frauen, allerdings erfolgt seit 2010 bis 2020 für die Frauen eine stufenweise Anhebung auf 65 Jahre. Anfang 2011 wurde von der britischen Regierung beschlossen, das Mindestalter für den Bezug der staatlichen Rente ab dem Jahr 2020 nochmals auf 66 Jahre zu erhöhen.

Eine vorgezogene staatliche Rentenzahlung vor dem gesetzlichen Rentenalter ist nicht möglich.

Der Beitrag für alle Sozialleistungen (Rente, Arbeitslosigkeit und Unfallschutz) liegt bei 12% des Bruttoeinkommens für die Arbeitnehmer und 12,8% für die Arbeitgeber und wird an die Sozialversicherungsbehörde National Insurance (NI) abgeführt. Dieser Prozentsatz gilt für einen Wochenlohn zwischen 139 und 817 £ (157 – 923 €). Beträgt der Lohn mehr als 817 £ sind 2% Beitrag zusätzlich auf den Betrag zu zahlen, der 817 £ übersteigt.

Auf Grund der Novellierung des Rentensystems in 2002 gibt es differenzierte Wartezeiten für Altfälle und aktuelle Rentenverläufe, aber grundsätzlich beträgt die Mindestbeitragszeit für die Grundrente 10 oder 11 Jahre.

Die volle Grundrente wird für Männer und Frauen nach 30 Jahren Beitragszahlung gezahlt (gilt seit 2010). Sie beträgt für einen Alleinstehenden 102,15 £ (115 €) (2011/2012)3 pro Woche, was ca. 14% des Durchschnittsverdienstes entspricht. Zur Grundrente kommt eine einkommensbezogene staatliche Zusatzrente (Additional State Pension). Diese Rente erhält jeder, der in das 1978 eingeführte Zusatzrentensystem als Erwerbstätiger eingezahlt hat. Die Zusatzrente wurde bis zum Jahr 2002 State EarningsRelated Pension Scheme (SERPS) genannt und seither State Second Pension (S2P). Die Zusatzrente aufbauen kann jeder, der: – abhängig beschäftigt ist und über 5.304 £ (5.994 €) im Jahr verdient, – unter zwölf Jahre alte Kinder betreut und Anspruch auf Kindergeld hat, – für mehr als 20 Stunden die Woche Kranke oder Behinderte betreut und Anspruch auf Pflegegeld hat. Der zusätzliche Rentenbetrag ist abhängig von der Höhe der Zahlungen an die Sozialversicherung und vom Durchschnittsarbeitsverdienst während des gesamten Erwerbslebens, wobei die Arbeitsentgelte zurückliegender Jahre entsprechend der 3www.direct.gov.uk/en/Pensionsandretirementplanning/StatePension/DG_183754 Lohnentwicklung aufgewertet werden.

Die maximale Zusatzrente beträgt 159,52 £ (180 €) (2011/2012) wöchentlich. Auch die Zusatzrente deckt jedoch nur knapp 25% des durchschnittlichen Jahreseinkommens ab, und dies auch nur bei entsprechend vielen Beitragsjahren. Wenn man als Arbeitnehmer an einer betrieblichen oder persönlichen Altersvorsorge teil nimmt, kann man aus der staatlichen Zusatzrente aussteigen. Bei einer betrieblichen Altersvorsorge zahlen dann der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber geringere Sozialabgaben, bei privater Vorsorge wird dem Arbeitnehmer ein Teil der Sozialbeiträge auf sein privates Rentenkonto gut geschrieben.

Die Grundrente ist niedriger als die Sozialhilfe, so dass, wenn keine anderen Einkünfte und keine Ersparnisse über 6.000 £ (6.780 €) vorliegen, der Staat die Grundrente aufstockt.

Diese Garantierente garantiert den Beziehern ein wöchentliches Renteneinkommen von 130 £ (147€) für Alleinstehende und 198,45 £ (224€) für ein Paar (darin ist die Grundrente eingeschlossen). Die gesetzliche Rente sichert nur einen Lebensabend auf Sozialhilfeniveau, und viele Bürger haben in jungen Jahren zu wenig private Vorsorge betrieben. Nach einer EU-Studie von 2010 lebt fast ein Drittel der Senioren in Großbritannien in Armut, in Deutschland sind es dagegen nur 17 Prozent und in Frankreich 13 Prozent.

Für alle Rentner kommen weitere staatliche Leistungen hinzu, zum Beispiel

kostenlose Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln in der Kommune und im Umland, Heizkostenzuschüsse und auch Mietzuschüsse.

Mindestens einmal jährlich erfolgt eine Angleichung der Rentenhöhe durch Gesetz an die allgemeine Inflationsrate, zukünftig an die durchschnittliche Einkommenssteigerung. Es findet eine Besteuerung der Rente nach den allgemeinen Richtlinien statt, weitere Sozialabgaben sind allerdings im Ruhestand nicht abzuführen.

 

  1. Säule

Betriebliche Rentensysteme sind in Großbritannien stark verbreitet.

Etwa 47 Prozent der Beschäftigten haben eine Betriebsrente. Normalerweise wird monatlich ein gewisser Prozentsatz des Einkommens in die Betriebsrente eingezahlt. Dafür erhält man Steuererleichterungen. Der Arbeitgeber zahlt ebenfalls einen Anteil ein. Die Betriebsrenten werden normalerweise von Fondgesellschaften verwaltet. In der Bauwirtschaft gibt es seit vielen Jahren solche Pensionsfonds. Der größte Fonds für die Bauwirtschaft ist B&CE Benefit Schemes4 . Er hat 209.000 Baubeschäftigte und 6.400 Bauunternehmen unter Vertrag. Die Pensionskassen, Rentenfonds oder ähnliches werden vom Staat oder von ihm beauftragten Instituten überwacht. Grundsätzlich ist es möglich, dass beitragsorientierte oder leistungsorientierte Rentenzusagen vereinbart werden können, allerdings ist in letzter Zeit festzustellen dass immer mehr betriebliche Rentenversicherungen auf das Beitragsprimat 4 www.bandce.co.uk umstellen. Es sind ebenfalls Regelungen vorgeschrieben damit den Rentnern bei Zahlungsunfähigkeit einer einzelnen Institution kein Nachteil entsteht.

Ab dem 1.4. 2012 regelt eine neue Gesetzgebung für die betriebliche Rentenversicherung, dass jedes Unternehmen diese anzubieten hat und die Versicherung obligatorisch wird. Ab diesem Zeitpunkt müssen für jeden Arbeitnehmer mindestens drei Prozent des Lohns in einen Pensionsfond eingezahlt werden. Davon trägt der Arbeitgeber 1,5% und es kommen etwa 1% indirekter Leistungen durch den Staat in Form von Steuererleichterungen hinzu. Damit soll eine nachhaltigere, Generationen gerechte sowie sichere Altersvorsorge unabhängig vom Staat erreicht werden.

  1. Säule

Private Renten liefern ein zusätzliches Einkommen zu der staatlichen und betrieblichen Rente.

Die Einzahlung von Einkommensbestandteilen oder angesparten Vermögen in private Versorgungsfonds zur Aufstockung der Rente werden in Großbritannien von etwa 19% der Beschäftigten genutzt. Insbesondere für Selbständige ist diese Art der Rentenvorsorge wichtig, da sie weder staatliche Zusatzrenten noch Betriebsrenten ansparen können. Es ist zu vermuten, dass Bauarbeitnehmer die Privatvorsorge nur in geringem Maße betreiben. Alle Institute, die private Vorsorge anbieten, werden nach den Erfahrungen durch die Finanzkrise in Zukunft staatlich stärkeren Kontrollen unterzogen. Spezielle Formen der Rente bzw. Altersvorsorge und Frühverrentung Bei einem Renteneintritt vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter wird keine öffentliche Rente gezahlt. Allerdings gibt es im Rahmen der privaten Rentenversicherung in Verbindung mit Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen Frühverrentungsmöglichkeiten. Da in der Bauwirtschaft ein hoher Anteil der Beschäftigten den Status von Selbständigen hat, können sie die frühzeitige Verrentung in Anspruch nehmen, allerdings ist dies sehr oft nur mit einer deutlich niedrigeren Rentenleistung möglich. Vorteile bzw. Bonusregelungen bei der Verlängerung der beruflichen Tätigkeit über das normale Rentenalter hinaus Im britischen Rentensystem ist eine Verlängerung der Arbeitssituation über das 65. Lebensjahr hinaus seit 2005 möglich und erlaubt. Die Rentenzahlung erhöht sich in diesem Fall um 7,5% pro Beschäftigungsjahr (bis zu 5 Jahren nach der staatlichen Regelaltersgrenze), wenn vorher eine ordnungsgemäße Beitragsleistung erbracht worden ist. Durch die neue Gesetzgebung ist die Zeitspanne von 5 Jahren abgeschafft und der Rentenzuschlag wurde auf 10,4 % pro volles Jahr des Rentenaufschubes erhöht. Gleichzeitig wurde auch die Möglichkeit eröffnet, diesen Rentenzuschlag als Einmalzahlung zuzüglich einer garantierten Verzinsung von 2% bei Renteneintritt zu bekommen. Berücksichtigung von Zeiten der Arbeitslosigkeit Grundsätzlich werden die Zeiten der Arbeitslosigkeit, für die Arbeitslosenunterstützung oder Sozialhilfe gezahlt wurden bei der staatlichen Grundrente angerechnet, allerdings entstehen für die staatliche Zusatzrente keine weiteren Ansprüche. Arbeitsbeziehungen und paritätische Pensionsfonds bzw. Sozialkassen Im Rahmen der 2. Säule gibt es in GB viele Pensionsfonds und private Versicherungen für die Altersvorsorge im Kapitaldeckungsverfahren, die von den Beschäftigten ausgewählt werden können. Auch für die Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Selbständigen (Ein-Mann-Betriebe) in der Bauwirtschaft gibt es mehrere Pensionsfonds, die branchenorientiert oder berufsständisch organisiert sind. Zur Zeit ist B&CE Benefit Schemes der größte Fonds für die Bauwirtschaft, der seit 1942 nicht nur die betriebliche Altersvorsorge sondern auch z.B. das Urlaubsgeld, Arbeitsschutzmaßnahmen und Entschädigung für Arbeitsunfälle organisiert. Der Fonds wird von einem unabhängigen Vorstandsvorsitzenden geleitet aber von einem paritätischen Aufsichtsrat mit 6 Arbeitgebern und 6 Gewerkschaftsvertretern gesteuert. Es gibt jedoch weitere kleine paritätische Pensionsfonds, die von den Arbeitgebern und Gewerkschaften der Branche gesteuert werden und die auch die Tarifverträge für die Beitragsleistungen und die Rentenhöhen sowie die Auszahlungsbedingungen festlegen. Die Bedingungen, die finanziellen Belastungen und Leistungen sind sehr differenziert, allerdings ist die Steuerfreiheitsgrenze einheitlich. Sie liegt aktuell bei 1,7% für die Arbeitnehmer und 3,2% für die Arbeitgeber, das bedeutet, dass Einzahlungen in dieser Höhe vom Bruttoeinkommen steuerfrei sind. Zur Zeit liegen die durchschnittlichen Beiträge bei 3,75 % für die Arbeitnehmer und 7,5 % für die Arbeitgeber. Die Pensionsfonds haben einen Kapitalstock, der bis 2005 mit 5 % und ab dieser Zeit mit 2,5 % Garantiezins für die Erstattung der Rentenleistungen arbeitet. Auf Grund der demographischen Entwicklung in der Bauwirtschaft und vor allem auch durch die Finanzkrise bedingt arbeiten im Augenblick fast alle Fonds defizitär und es müssen die Kapitalrücklagen angegriffen werden. Rolle der Gewerkschaften, die aktuelle Diskussion sowie politische Trends An Hand der aktuellen Informationen zur Rentenentwicklung kann festgestellt werden, dass nur knapp 50 % der Beschäftigten in der Privatwirtschaft Beiträge in die Rentenversicherung der 2. Säule einzahlen, vor allem deshalb, weil die Einzahlung bisher freiwillig ist. Die aktuelle Rentenreform ist hauptsächlich auf die Renten und das Renteneintrittsalter der Beamten und Beschäftigten im öffentlichen Dienst gerichtet. Die Gewerkschaften haben jedoch unterstützt, dass ab April 2012 die 2. Säule verpflichtend für alle wird und damit die Zunahme der Altersarmut eingedämmt wird, die durch die niedrigen staatlichen Rentenzahlungen droht. Daneben sollen auch die Erfahrungen der Finanzkrise aufgearbeitet werden, so dass die öffentliche Kontrolle der privaten Rentenversicherung verbessert wird und vor allem die Angebote der Versicherer leichter zu verstehen sind. Durch die Krise ist die Angst gewachsen, Renten bei privaten Trägern abzuschließen, deshalb fordern die Gewerkschaften mehr paritätische Rentenfonds, die direkt von den Arbeitgebern und Gewerkschaften gesteuert werden können. In Großbritannien haben ca. 80 % der Beschäftigten Immobilienbesitz (Eigenheim oder eigene Wohnung). Durch die enormen Wertsteigerungen dieser Immobilien in den letzten 20 Jahren um 300 bis 400 % nehmen viele Rentner lieber Kredite zur Bewältigung ihrer Ausgaben auf, was aber von den Gewerkschaften als große Gefahr eingeschätzt wird, wenn der Immobilienboom eventuell in den nächsten Jahren zurückgehen würde. Daneben befürchten die Gewerkschaften durch die Verschiebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters Rentenminderungen für z.B. die Baubeschäftigten, da sie durch die schwere körperliche Arbeit nicht in der Lage sind bis zum 65. oder dann ab 2020 bis zum 66. Lebensjahr zu arbeiten. Auf Grund der schlechten Arbeitsbedingungen gibt es in Großbritannien immer mehr Beschäftigte, die aus dem aktiven Arbeitsprozess ausscheiden wollen und die sich „ASAP“ nennen, “as soon as possible”. Sie wollen die Arbeitssituation als Arbeitnehmer oder Selbstständige, oft Scheinselbstständige, verlassen, in den Ruhestand gehen um etwas nebenher zu verdienen, so berichteten einige Sozialforscher im Rahmen eines Pensions Workshops mit Experten an der University of Westminster am 3. 12.2010 in London. In Großbritannien arbeiten noch vergleichsweise viele Senioren, und nicht immer weil sie müssen. Bei einer Umfrage im Februar 2009 gaben knapp 40 Prozent der Befragten zu Protokoll, sie würden auch nach Erreichen des Rentenalters gern weiterarbeiten. Künftig können die Briten selbst entscheiden, wann sie in Rente gehen. Das gesetzliche Rentenalter, das bisher beim Erreichen der Altersgrenze in der Regel automatisch zum Ausscheiden aus dem Betrieb führte, wird zu Ende September 2011 ersatzlos abgeschafft. Ein wichtiges Ziel der Maßnahme ist es, Personen mit zu geringer Altersvorsorge den Verbleib im Erwerbsleben zu erleichtern und damit einen Absturz in die Altersarmut zu verhindern. Bisher können Arbeitgeber ihre Beschäftigten mit dem 65. Geburtstag auch gegen deren Willen in Rente schicken. Die Seniorenverbände haben für die Abschaffung der Altersgrenze gekämpft. Auch der britische Gewerkschaftsbund TUC begrüßt die Änderung. Der Industrieverband CBI befürchtet dagegen, dass für die Unternehmen die Personalplanung und die Gewährung freiwilliger Sozialleistungen dadurch „nahezu unmöglich“ gemacht wird. Viele Arbeitgeber waren bisher froh, ältere Beschäftigte mit geringerer Produktivität in die Rente abschieben zu können. In Zukunft müssen sie dagegen wohl nachweisen, dass die älteren Arbeitnehmer ihren Aufgaben nicht mehr gewachsen sind. Großbritannien Ergebnisse/Daten/Fakten auf einen Blick Bauwirtschaft:

Anzahl – Arbeitnehmer: 1,2 Millionen Selbständige: 700.000 – Betriebe: 300.000 Allgemeines Rentensystem ist wie organisiert?

1.Säule: gesetzliche obligatorische Grundrente und staatliche Zusatzrente Beiträge: Arbeitgeber: 12,8% Arbeitnehmer: 12%

2.Säule: betriebliche Altersvorsorge, bisher freiwillig, ab April 2012 obligatorisch Beiträge: Arbeitgeber: 1,5% oder mehr Arbeitnehmer: 1,5% oder mehr

3.Säule: Private Vorsorge, freiwillig Beiträge: Arbeitgeber: – Arbeitnehmer: nach Einkommenslage Gesetzliches Renteneintrittsalter: 65m/60w Anzahl der notwendigen Beitragsjahre: 10w/11m, volle Rente nach 30 Jahren (Grundrente) Tatsächliches Renteneintrittsalter: 63,1 (2008) Geplantes/zukünftiges gesetzliches Renteneintrittsalter: 65m/65w bis 2020, 66 ab 2020, 68 bis 2046 Mindestrente (Grundrente plus Aufstockungsbetrag): 147 €/ Woche für einen Alleinstehenden Rentenhöhe Brutto für einen Alleinstehenden: Grundrente: 115 €/ Woche in %: 14 Zusatzrente: 180 €/ Woche in %: 22

Frühverrentung möglich: Nein

Gibt es Sonderregelungen für die Bauwirtschaft? Nein

Gibt es Tarifverträge? Ja

Gibt es Paritätische Kassen oder Fonds? Ja

Stichworte/Kurzberichte zur aktuellen Diskussion/Forderungen:

Gesetzgeber: ab 2020 Renteneintritt ab 66 Jahre, ab 2012 obligatorische betriebliche Rente, ab Oktober 2011 kein Zwang in Rente zu gehen bei Erreichen des Rentenalters

Gewerkschaften: bekämpfen das Heraufsetzen des Rentenalters, begrüßen die Stärkung der 2. Säule.

 

 

Altersvorsorge in England

Das englische Rentensystem basiert wie das deutsche auf drei Säulen: der gesetzlichen Rente, Betriebsrenten und der Privatvorsorge. Anders als in Deutschland ist das britische System jedoch in erster Linie auf die Privatvorsorge ausgerichtet.

Staatliche Rente

Die staatliche Rente deckt dabei mit einer pauschalen Grundrente (Basic State Pension)   kaum das Lebensnotwendige ab. Der höchste Betrag, den Männer nach 44 Jahren und Frauen nach 39 Jahren Erwerbstätigkeit erhalten können, liegt bei 79,60 Pfund pro Woche, etwas über 100 Euro. In der Regel deckt die Grundrente lediglich ca. 15 % des durchschnittlichen Bruttogehalts ab.
Hinzu kommt noch eine einkommensbezogene staatliche Zusatzrente (Additional State Pension). Diese Rente erhält jeder, der in das 1978 eingeführte staatliche Zusatzrentensystem als Erwerbstätiger eingezahlt hat. Auch diese Zusatzrente deckt jedoch nur ca. 25% des durchschnittlichen Jahreseinkommens ab und dies auch nur bei entsprechend vielen Beitragsjahren.

Private Vorsorge

Wegen der relativ niedrigen staatlichen Rente ist das private Vorsorgen mit einer Risikolebensversicherung oder durch eine fondsgebundene Rentenversicherung in England in der Regel unerlässlich. Angeboten werden diese Produkte von Banken, Investmentgesellschaften, Bausparkassen oder Versicherungen. Die Beiträge werden bei dieser Form der Vorsorge investiert und bei Rentenbeginn ausgezahlt.
2001 führte die britische Regierung zudem die so genannten Stakeholder Pensions ein. Arbeitgeber wurden damit verpflichtet, ihren Arbeitnehmern diese gebührengünstige Privatversicherung anzubieten.

Betriebsrente

Bei der betrieblichen Altersvorsorge zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Durchschnitt 10% des Jahreseinkommens in einen Fond ein, der vom Betriebsvermögen juristisch getrennt ist und von Treuhändern überwacht wird.
Dabei gibt es in England zwei unterschiedliche Modelle: zum einen gibt es das Final Salery Scheme, bei dem bereits im Voraus die Höhe der Rente festgelegt wird. Zum anderen gibt es das Money Purchase Scheme, bei dem die Beiträge investiert werden. Die Höhe der später ausgezahlten Rente hängt demnach von der Wertentwicklung ab.

Auch in Deutschland wird regelmäßig über eine Stärkung der privaten Altersvorsorge und gleichzeitiger Rückzug der gesetzlichen Rente debattiert. Dabei bedarf es nicht mal globaler Finanzkrisen wie zum Beispiel 2008, um die Schwachstellen aktienorientierter oder anderer privatwirtschaftlicher Vorsorge zu belegen.

Arten der Privatvorsorge

Welche Formen der Privatvorsorge für einen Menschen passgenau sind, orientiert sich stets an seiner Risikobereitschaft in Kombination mit der Rendite-Erwartung. Auch die Zeit bis zum Renteneintrittsalter spielt eine entscheidende Rolle. Wer bereits im höheren Alter ist, sollte Anlageformen mit geringem Risiko wählen. Für wen die Rente noch „in weiter Ferne“ liegt, kann auch mit Aktien und Fonds für das Alter vorsorgen. Solche Papiere werden in Depots hinterlegt, die die meisten Banken ihren Kunden anbieten. Neben den Angeboten der Hausbanken gibt es mittlerweile mehrere spezialisierte Spezialanbieter.

 

hk 15.07.2016

 

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