Deutschland

 

Rentensystem im Jahr 2012 nach OECD

Die gesetzliche Rentenversicherung beruht auf einer einzigen Säule, bei der es sich um ein verdienstabhängiges Umlagesystem handelt. Die Rentenberechnung basiert auf einem Entgeltpunktesystem. Wenn die Alterseinkünfte aus allen Einkommensquellen nicht für den Lebensunterhalt ausreichen, kann zusätzlich die bedürftigkeitsabhängige Grundsicherung beantragt werden.

 

Anspruchskriterien

Gegenwärtig besteht ab einem Alter von 65 Jahren und einem Monat sowie einer Mindestversicherungszeit von fünf Jahren Anspruch auf eine Regelaltersrente. Bei weniger als fünf Versicherungsjahren besteht kein Leistungsanspruch. Seit 2012 wird das gesetzliche Rentenalter über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Für Geburtsjahrgänge ab 1964 liegt die Regelaltersgrenze bei 67 Jahren.

Rentenberechnung

Verdienstabhängige Rente

Ein Jahresbeitrag, der auf einem Arbeitsentgelt in Höhe des Durchschnittsarbeitsentgelts aller Versicherten beruht, ergibt genau einen Entgeltpunkt. Das maßgebliche Durchschnittsentgelt ist in etwa identisch mit dem Durchschnittsentgelt nach der Definition der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Auf einem niedrigeren oder höheren Einkommen basierende Beiträge bringen proportional weniger oder mehr Entgeltpunkte.

Die Beitragsbemessungsgrenze lag 2012 bei 67 200 Euro Jahresverdienst, 207% des maßgeblichen Durchschnittsentgelts. Das maßgebliche Durchschnittsentgelt belief sich 2012 auf 32 446 Euro. Dies entspricht lediglich 72% des Durchschnittsverdiensts nach der OECD-Messgröße.

Bei Renteneintritt werden die Entgeltpunkte aller Versicherungsjahre addiert. Die Summe der Entgeltpunkte wird mit dem „aktuellen Rentenwert“ multipliziert, der sich 2012 auf 336,84 Euro belief. Der aktuelle Rentenwert gilt für Neurentner wie auch für bereits im Ruhestand lebende Personen.

Der aktuelle Rentenwert wird jährlich angepasst; als Ausgangspunkt für die Anpassung dient dabei die Entwicklung der Bruttolöhne. Zudem werden über den „Beitragsfaktor“ die Veränderungen der Beitragssätze in der gesetzlichen Rentenversicherung und den geförderten (freiwilligen) privaten Altersvorsorgesystemen berücksichtigt.

Ein Anstieg der Beitragssätze führt zu einer geringeren Steigerung des aktuellen Rentenwerts.

Der Nachhaltigkeitsfaktor, der die Veränderung der Zahl der Äquivalenzbeitragszahler im Verhältnis zur Zahl der Äquivalenzrentner misst, koppelt die Anpassung des aktuellen Rentenwerts an die Veränderung des Rentnerquotienten der gesetzlichen Rentenversicherung, d.h. der Deutschland: Rentensystem im Jahr 2012

Die gesetzliche Rentenversicherung beruht auf einer einzigen Säule, bei der es sich um ein verdienstabhängiges Umlagesystem handelt. Die Rentenberechnung basiert auf einem Entgeltpunktesystem. Wenn die Alterseinkünfte aus allen Einkommensquellen nicht für den Lebensunterhalt ausreichen, kann zusätzlich die bedürftigkeitsabhängige Grundsicherung beantragt werden.

Relation von Rentnern zu Beitragszahlern.

Diese beiden Faktoren der Rentenanpassungsformel können die Höhe der Rentenanpassung beeinflussen; auf lange Sicht dürfte die Anpassung des aktuellen Rentenwerts dadurch voraussichtlich 14% geringer ausfallen als der Anstieg der Pro-Kopf-Bruttolöhne. Zudem wird der Anstieg des Beitragssatzes, der gegenwärtig bei 19,6% liegt, auf einen Höchstwert von 22% begrenzt. Das für die Berechnung der Entgeltpunkte zu Grunde gelegte Durchschnittsentgelt wie auch der aktuelle Rentenwert weichen in den neuen Bundesländern geringfügig ab. Es wird davon ausgegangen, dass dieser Unterschied auf Grund der Angleichung der Löhne in den alten und neuen Bundesländern langfristig verschwinden wird.

Grundsicherung im Alter

Wenn die Alterseinkünfte aus allen Einkommensquellen nicht für den Lebensunterhalt ausreichen, kann zusätzlich die bedürftigkeitsabhängige Grundsicherung beantragt werden. Diese Leistungen beziehen sich auf den persönlichen Grundbedarf. Die bedürftigkeitsabhängigen Leistungen errechnen sich als Differenz zwischen dem persönlichen Bedarf und dem gewichteten Haushaltsäquivalenzeinkommen (einschließlich Rentenleistungen).

2011 belief sich der Pro-Kopf-Bedarf der Empfänger der bedürftigkeitsabhängigen Grundsicherung im Alter durchschnittlich auf 8 484 Euro. Dies entspricht 28% des maßgeblichen Bruttodurchschnittsentgelts (2011: 30 300 Euro) und 19% des Durchschnittsverdiensts nach der OECD Messgröße (2011: 43 700 Euro).

Freiwillige private Altersvorsorge

Es gibt eine zusätzliche freiwillige private Altersvorsorge, die sogenannte RiesterRente; entsprechende Vorsorgeprodukte werden von Banken, Versicherungsgesellschaften und Investmentfondsgesellschaften angeboten. Die Riester-Rente ist steuerbegünstigt und wird vom Staat gefördert. In der Modellrechnung wird ein Beitragssatz von 4% unterstellt.

Abweichende Erwerbsbiografien

Frühverrentung

Ein vorgezogener Renteneintritt ab 63 Jahren ist möglich, wenn mindestens 35 Versicherungsjahre vorgewiesen werden können. In diesem Fall wird die Rente jedoch durch einen dauerhaften Abschlag gemindert, der sich parallel zur Anhebung des gesetzlichen Rentenalters erhöht. Bei Renteneintritt vor Vollendung des 67. Lebensjahrs verringert sich die Rente lebenslang um 3,6% pro Jahr des Rentenbezugs vor Erreichen des gesetzlichen Rentenalters. Außerdem sind die Rentenansprüche bei einem Renteneintritt im Alter von 63 statt 67 Jahren wesentlich geringer, da die Erwerbstätigkeit um vier Jahre kürzer ist und in dieser Zeit keine weiteren Entgeltpunkte mehr erworben werden.

Neben der Regelaltersrente gibt es auch die Altersrente für schwerbehinderte Menschen. Bei dieser Rentenart können Menschen mit einem nachgewiesenen Grad der Behinderung von mindestens 50% und einer Mindestversicherungszeit von 35 Jahren gegenwärtig mit einem maximalen Abschlag von 10,8% vorzeitig ab 60 Jahren in Rente gehen.

Die Altersgrenze für diese Rente wird schrittweise von 60 auf 62 Jahre angehoben. Eine Ausnahme von der Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre besteht auch für Versicherte, die 45 Jahre Pflichtbeitragszeiten auf Grund einer versicherten Beschäftigung oder Kindererziehung bzw. Berücksichtigungszeiten für die Erziehung von Kindern unter 10 Jahren vorweisen können. Sie können weiterhin mit 65 Jahren in Rente gehen.