Belgien

 

 

Rentensystem im Jahr 2012 nach OECD

Das Rentensystem besteht aus zwei Komponenten: einer verdienstabhängigen öffentlichen Altersversorgung mit einer Mindestrente und einer bedürftigkeitsabhängigen Einkommenssicherung Mindestanrechnungsbetrag Für Rentner, die niedrige Einkommen hatten oder ihr gesamtes Erwerbsleben auf Teilzeitbasis beschäftigt waren, ist zur Anhebung der Rentenansprüche ein jährlicher Mindestanrechnungsbetrag vorgesehen.
Bei einem Jahresverdienst von weniger als 21 326,67 Euro (Stand 1. Januar 2012 – 22 189,36 Euro für Rentenfälle ab dem 1. Dezember 2012) wird der Referenzwert auf dieses Niveau angehoben. Anspruch auf diese Mindestanrechnung besteht nach mindestens 15 Versicherungsjahren, d.h. einem Äquivalent von mindestens einem Drittel einer Vollzeitbeschäftigung. (Daraus ergibt sich eine effektive Mindestrente bei vollständigem Erwerbsverlauf für Alleinstehende mit 45 Beitragsjahren, für die jeweils eine Anhebung auf das obige Niveau vorgenommen wird.) Die Anwendung dieses Mindestanrechnungsbetrags kann nicht zur Auszahlung einer Rente von über 17 513,00 Euro für Familien bzw. von 14 012,34 Euro für Alleinstehende führen. Sollte die Berechnung eine höhere Rente ergeben, wird die Mindestanrechnung in solcher Weise nicht auf alle anrechnungsfähigen Beitragsjahre angewandt, dass die Rente wieder unter dieses Niveau sinkt (17 866,12 Euro bzw. 14 292,82 Euro ab dem 1. Dezember 2012).

Anspruchskriterien

Das Regelrentenalter beträgt für alle 65 Jahre. Nach der Gesetzgebung Belgiens erfordert der Bezug einer vollen Rente 45 Beitragsjahre.

Rentenberechnung

Verdienstabhängige Rente

Die Quote für die Berechnung der Rente beträgt für alleinstehende Rentner 60% und für solche mit unterhaltsberechtigtem Ehepartner 75%. Der geschätzte Jahressteigerungssatz liegt also bei 60%/45 = 1,33% (für Männer). Maßgeblich ist (gemäß den vereinfachten Modellannahmen) der durchschnittliche Verdienst über das gesamte Erwerbsleben. Für den Verdienst aus früheren Jahren wird eine Aufwertung entsprechend der Preisentwicklung vorgenommen, wobei zugleich ein Neubewertungskoeffizient angewendet wird, um weiter zurückliegende Bezüge entsprechend dem Anstieg des Lebensstandards zu aktualisieren (unterschiedlicher Koeffizient für jedes Jahr). Diese Neubewertungen der weiter zurückliegenden Bezüge bei der Rentenberechnung sind im Modell nicht berücksichtigt. Die volle Rente wird gezahlt, sofern die obigen Anspruchskriterien erfüllt sind. Bei kürzeren Beitragszeiten wird die Rente ebenfalls ausgezahlt, aber auf der Basis der niedrigeren Zahl der Beitragsjahre berechnet. Der anrechnungsfähige jährliche Verdienst für die Berechnung der Rentenhöhe ist nach oben begrenzt. Diese Bemessungsgrenze lag 2012 bei 51 092,44 Euro, was 111% des Durchschnittsverdiensts entspricht.

Die laufenden Rentenzahlungen werden entsprechend einem Verbraucherpreisindex angepasst (dem sogenannten „Gesundheitsindex“, in dem bestimmte Güter nicht enthalten sind). Darüber hinaus werden diskretionäre reale Rentenerhöhungen zur Anpassung an den allgemeinen Lebensstandard vorgenommen. Diese Anpassungen waren in jüngster Zeit allerdings mehr auf die niedrigsten oder die schon am längsten ausgezahlten Renten ausgerichtet.

Seit 2008 ist die Regierung gesetzlich verpflichtet, Entscheidungen hinsichtlich der Rentenaktualisierung auf der Basis der Empfehlungen der Sozialpartner im Zweijahresrhythmus zu treffen. Es gibt zusätzliche Renteneinkommen („Urlaubs-“ und „Ergänzungsleistungen“), die einmal jährlich ausgezahlt werden. Bis zu einer Obergrenze von 603,61 Euro für Alleinstehende und 754,52 Euro für Rentner mit einem unterhaltsberechtigten Ehepartner entsprechen sie der Höhe einer Monatsrente (Stand Mai 2012).

Verdienstabhängige Mindestrente

Des Weiteren gibt es eine verdienstabhängige Mindestrente, die sich für Rentner, die die Bedingungen in Bezug auf die Zahl der Beitragsjahre (45 Jahre) voll erfüllen, zum 1. Februar 2012 für Alleinstehende auf 13 052,28 Euro (13 313,61 Euro ab dem 1. Dezember 2012) und für Personen mit unterhaltsberechtigtem Ehepartner auf 16 310,21 Euro belief (16 636,77 Euro ab dem 1. Dezember 2012). Bei nicht vollständigen Erwerbsbiografien verringert sich diese Mindestrente proportional, wobei Grundvoraussetzung allerdings ist, dass der Empfänger mindestens zwei Drittel der Gesamtzahl der erforderlichen Versicherungsjahre vorweisen kann. Ansonsten lässt sich die Rentenhöhe einfach durch die Anwendung der Rentenformel ermitteln (eine Anhebung der Leistung entsprechend dem Wachstum der Mindestrente entfällt).

Die Mindestrente ist preisindexiert, wobei bestimmte Güter nicht im Index enthalten sind. Die Leistungen werden immer dann um 2% erhöht, wenn die kumulative Inflation seit der letzten Aktualisierung einen bestimmten Grenzwert übersteigt (2%). Rentner erhalten entweder diese Mindestrente oder die reguläre verdienstabhängige Rente (u.U. mit Anwendung des Mindestanrechnungsbetrags auf die Jahre, für die die entsprechenden Bedingungen erfüllt sind), je nachdem welche höher ist. Rentenbonus Für Rentenfälle ab dem 1. Januar 2007 und vor dem Jahr 2013 wird die Fortsetzung der Erwerbstätigkeit nach dem Alter von 62 Jahren bis maximal zum gesetzlichen Regelrentenalter oder über 44 Beitragsjahre hinaus auf Grund des „Generationenpakts“ durch einen Bonus belohnt (2,25 Euro – Stand 1. Februar 2012 – für jeden gearbeiteten Tag, preisindexiert, bis maximal 702 Euro für jedes vollständig gearbeitete Jahr). Die Regierung hat eine Reform dieses Systems zum 1. Januar 2014 beschlossen, die vorsieht, dass der Rentenbonus je nach Dauer des Rentenaufschubs progressiv gestaltet wird (von 1,50 Euro pro Tag bis 2,50 Euro pro Tag bei 6 zusätzlich gearbeiteten Jahren). Ferner kann die Erwerbstätigkeit über das Regelrentenalter hinaus auch genutzt werden, um zur Sicherung einer Vollrente Beitragsausfallzeiten in der Erwerbsbiografie zu kompensieren oder um den Rentenbetrag aufzubessern, da bei der Berechnung der Rentenhöhe nur die letzten 45 Verdienstjahre zu Grunde gelegt werden.

Einkommenssicherung

Sozialrente

Ältere Menschen, die keine durch berufliche Tätigkeit erworbenen Rentenansprüche besitzen oder deren Rentenansprüche sehr niedrig sind, können eine bedürftigkeitsabhängige Einkommenssicherung erhalten. Sie nennt sich GRAPA (Garantie de revenu aux personnes âgées) und gehört zu den Sozialhilfemaßnahmen, welche die Sozialversicherungsleistungen ergänzen (z.B. die gesetzliche Rente für Arbeitskräfte des Privatsektors, wie sie in der Modellrechnung berücksichtigt ist). Die bedürftigkeitsabhängigen Leistungen im Rahmen der Einkommenssicherung betragen 11 668,68 Euro für allein lebende Rentner und 7 779,12 Euro für mit anderen zusammen lebende ältere Menschen. Auch für diese Leistungen ist eine Preisindexierung vorgesehen, bei der bestimmte Güter ausgeklammert sind. Bei der Bedürftigkeitsprüfung wird das „reguläre“ Renteneinkommen nur in Höhe von 90% des tatsächlichen Betrags angerechnet. Das Anspruchsalter entspricht dem gesetzlichen Rentenalter: 65 Jahre. Freiwillige private Altersvorsorge Im Jahr 2003 wurde ein System „sektoraler Ergänzungsrenten“ eingeführt, um die zweite Säule des Rentensystems weiter auszubauen. Die Beitragssätze werden durch (branchenweite) Tarifverträge festgelegt und können je nach Branche unterschiedlich ausfallen (in der Modellrechnung wird ein Beitragssatz von 4,25% zu Grunde gelegt).

 

Abweichende Erwerbsbiografien

Frühverrentung

Seit dem Jahr 2005 ist eine Frühverrentung ab dem Alter von 60 Jahren mit 35 Beitragsjahren möglich. Das Frühverrentungsalter wird zwischen 2013 und 2016 auf 62 Jahre steigen, wobei sich die Zahl der erforderlichen Beitragsjahre auf 40 erhöht. Eine versicherungsmathematische Kürzung der Rentenhöhe ist nicht vorgesehen. Dennoch kann auf Grund der möglicherweise unvollständigen Erwerbsbiografie (weniger als 45 Jahre) u.U. keine volle Rente erreicht werden. Es gibt eine Verdienstprüfung, was die Möglichkeit einer Kombination von Frührente und Erwerbseinkommen begrenzt. Diese Prüfung erfolgt nach strengeren Kriterien als die Verdienstprüfung nach Erreichen des Regelrentenalters. Renteneintritt ab Frühverrentungsalter Dauer der Erwerbsbiografie Ausnahmen 1. Januar 2013 60½ 38 60-Jährige mit 40 Beitragsjahren 1. Januar 2014 61 39 60-Jährige mit 40 Beitragsjahren 1. Januar 2015 61½ 40 60-Jährige mit 41 Beitragsjahren 1. Januar 2016 62 40 60-Jährige mit 42 bzw. 61-Jährige mit 41 Beitragsjahren

Spätverrentung

Der Renteneintritt kann auch über das gesetzliche Rentenalter hinaus aufgeschoben werden. Personen, die über das Rentenalter hinaus weiterarbeiten, können so Beitragsausfallzeiten in der Erwerbsbiografie kompensieren, um näher an eine volle Rente heranzukommen, oder den Rentenbetrag aufbessern, da bei der Berechnung der Rentenhöhe nur die letzten 45 Verdienstjahre zu Grunde gelegt werden.
Ansonsten lassen sich Rentenleistungen und Arbeitsverdienste (nach dem Regelrentenalter) bis zu einer gewissen Grenze kombinieren. Bei einem Jahresverdienst von weniger als 21 436,50 Euro (Alleinstehende) bzw. 26 075,00 Euro (Personen mit unterhaltsberechtigten Kindern) wird die Rente nicht gekürzt (21 865,32 Euro bzw. 26 596,50 Euro im Jahr 2013). Oberhalb dieser Schwellenwerte wird die Rente um den Betrag gekürzt, um den der Arbeitsverdienst diese Werte überschreitet. Liegt der tatsächliche Verdienst um 15% über diesen Schwellenwerten, wird die Rente vollständig entzogen (für die Dauer des Zeitraums, während dessen der Verdienst oberhalb der Obergrenze liegt). 2013 treten weitere Reformen in Kraft, wonach für Rentner im Alter von über 65 Jahren mit mindestens 42 Beitragsjahren die Obergrenze ganz entfällt. Vor dem gesetzlichen (Regel-) Rentenalter sind niedrigere Schwellenwerte für die Kumulierung von Renten und Erwerbseinkommen vorgesehen: 7 421,57 Euro bzw. 11 132,37 Euro (7 570 Euro und 11 355,02 Euro im Jahr 2013), wobei wieder die gleiche Verdienstobergrenze von 15% über diesen Werten Anwendung findet.

Kindererziehungszeiten

Bis zu einer Höchstgrenze von insgesamt drei Jahren kann Kindererziehung als Erwerbstätigkeit angerechnet werden, wenn die betroffene Person den sogenannten „Tijdskrediet“ erhält. Anspruch auf Tijdskrediet haben alle Beschäftigten des Privatsektors; sie können eine vollständige Unterbrechung der Erwerbstätigkeit oder eine Reduzierung der Arbeitszeit um die Hälfte erhalten, wenn sie während der 12 Monate vor Beginn des Tijdskrediet mehr als drei Viertel der Regelarbeitszeit gearbeitet haben. Außerdem müssen sie innerhalb der letzten 15 Monate vor Beantragung des Tijdskrediet mehr als ein Jahr durchgehend beim selben Arbeitgeber beschäftigt gewesen sein. Wenn sich die Person vollständig vom Arbeitsmarkt zurückzieht, erhält sie keinen Ausgleich. Die entsprechenden Jahre werden dem Zähler der Leistungsformel hinzugerechnet. In der Formel wird als Messgröße für das Arbeitsentgelt der letzte Verdienst vor dem Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt verwendet.

Arbeitslosigkeit

Zeiten, in denen Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung bezogen wurden, werden im Rahmen des Rentensystems angerechnet. Die Jahre der Arbeitslosigkeit werden dem Zähler der Leistungsberechnungsformel hinzugefügt, und bis 2012 wurde das Erwerbseinkommen vor der Arbeitslosigkeitsphase als Kalkulationsbasis für den gesamten Zeitraum der Arbeitslosigkeit zu Grunde gelegt. Die Anzahl der anrechenbaren Jahre ist unbegrenzt. In der Praxis führen Phasen der Arbeitslosigkeit jedoch zu etwas niedrigeren Rentenleistungen als im Fall einer vollständigen Erwerbsbiografie, da der angerechnete Betrag nicht unbedingt dem vollen realen Lohnwachstum über den berücksichtigten Zeitraum Rechnung trägt. Bei Arbeitslosigkeit ab dem Alter von 62 Jahren oder nach 42 Beitragsjahren ist eine Beantragung des „Rentenbonus“ für die betroffenen Jahre nicht möglich. Seit dem 1. Januar 2013 hat sich die Anrechnung von Arbeitslosigkeitszeiten bei der Berechnung der Rentenansprüche geändert. Für Phasen der Arbeitslosigkeit, in denen nur noch eine Pauschalleistung bezogen wird (was nach max. 48 Monaten der Arbeitslosigkeit der Fall ist), erfolgt die Anrechnung auf der Basis des „Mindestanrechnungsbetrags“.

 

Stand 06.06.2016

 

hk. 06.06.2016

*****